Wer schreibt hier?

Die Idee sowie die meisten Beiträge (Texte und Bilder) auf dieser Seite stammen von mir – Stefan Karl Hetz – einem Biologen, geboren und aufgewachsen in Oberfranken, seit gut 20 Jahren wohnhaft in Berlin. Mein Studien- und Fachgebiet ist die Zoologie mit dem Schwerpunkt Tierphysiologie. Ich beschäftige mich seit meiner Kindheit (ungefähr ab dem 14. Lebensjahr ernsthaft) mit Fischen (einheimischen Arten in Bächen und Flüssen sowie mit tropischen Fischarten in der Natur und in Aquarien).
Stefan Karl Hetz, Autor dieser Seiten

Stefan Karl Hetz, Autor dieser Seiten.

Meine Motivation am erforschenden Beobachten von Fischen wurde gesteigert durch die Lektüre von verschiedenen populärwissenschaftlichen – und später natürlich wissenschaftlichen – Periodika, Büchern und vor allem referierten Originalartikeln. So hat auch mich die Verhaltensforschung in der Jugend sehr begeistert und deshalb kam ich, wie übrigens unzählige weitere Wissenschaftler auch (Wessely 2013) „auf die Fische” und zu den ersten Aquarien. Das waren zunächst sehr einfache Behältnisse ohne Fischbesatz aber mit einem reichen und nicht minder beobachtenswerten Leben an Pflanzen, Würmern, kleinen Krebstieren und Wasserinsekten.

„Ich habe hunderte Aquarien gepflegt, aber das gewöhnlichste, billigste und sozusagen banalste Tümpel-Aquarium hat immer meine Liebe in besonderem Maße besessen, da seine Wände die natürlichste und vollkommenste Lebensgemeinschaft umschließen. Und man kann stundenlang davor sitzen und sich in Gedanken verlieren, in krausen und in klugen, wie man den Flammen des Kaminfeuers nachsinnt oder dem eilenden Wasser eines Baches. Und man lernt sogar dabei. Würfe ich in die eine Schale der Waage alles, was mir in solchen Stunden der Meditation vor dem Aquarium an Einsicht zuwuchs, und in die andere, was ich aus Büchern gewann — würde die erstere tief, tief heruntersinken …”

Konrad Lorenz, Nobelpreisträger (1974)

Krause und kluge Gedanken … dem ist nichts hinzuzufügen!

Seit meinem Studium der Biologie beginne ich langsam ein wenig mehr zu verstehen, wie Fische funktionieren und auf welche Weise sie sich an ihre Umgebung anpassen oder eine ökologische Nische besetzen konnten. Beruflich untersuche ich am Lehrstuhl für Tierphysiologie an der Humboldt-Universität zu Berlin die Themenkomplexe Atmung, Kreislauf und Ionenregulation bei verschiedenen Tiergruppen, vor allem Arthropoden (Spinnen, Insekten, Krebse) und Fischen.

Seit einigen Jahren biete ich auch für Studierende das Modul „Anpassung unter Extrembedigungen” an, in welchem auch die ökologisch-geografischen Gründe und vor allem die physiologischen Strategien der Anpassung von Fischen (vor allem Knochenfischen) an extrem ionenreiche, ionenarme, extrem saure oder alkalische, heiße und kalte Gewässer behandelt werden.

„Research is to see what everybody else has seen, and to think what nobody else has thought.”

Albert Szent-György, Nobelpreisträger

Neben der Grundlagenforschung betreibe ich angewandte Forschung zu Themen des Tierschutzes bei den oben genannten Tiergruppen aber auch bei Fischen bzw. Aquarien. Ich war bis zur Novelle des Tierschutzgesetzes für längere Zeit einer der Tierschutzbauftragten der Humboldt-Universität zu Berlin und leite seit mehreren Jahren eine wissenschaftliche Tierhaltung. Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit bin ich Mitglied in einigen editorial boards, begutachte im Jahr mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen, bin Mitglied in verschiedenen Berufsverbänden und bin bzw. war ehrenamtlich tätig in spezialisierten Hobby-Vereinigungen. Ab und zu gebe ich auch mein Wissen auch in Vorträgen weiter.

… und warum native-fish.org?

Die Gründe für die Erstellung dieser Seite sind sehr vielfältig. Zum Einen ist es mir ein Anliegen, über einige Besonderheiten und die außergewöhnlichen Eigenschaften und Anpassungsleistungen von Fischen breiter zu informieren. Ein weiteres Anliegen ist meine Begeisterung für Fische, die ich gerne mit den Lesern teilen möchte! Auf dem gleichen Weg möchte ich aber auch einige tradierte Vorstellungen über die Physiologie von Fischen kritisch hinterfragen und mich mit einigen Ansichten über die dauerhafte Haltung von Fischen in menschlicher Obhut, sei es nun im Labor, im Gartenteich oder im Heimaquarium auf wissenschaftlicher Basis kritisch auseinandersetzen.

Damit bekenne ich mich eindeutig zu einer verantwortungsvollen Fischhaltung in menschlicher Obhut, einem traditionsreichen Zweig der Heimtierhaltung! Einige Fragen, die sich in Diskussionen nach Vorträgen ergaben, versuche ich ebenfalls hier zu beantworten – wenn auch (typisch für einen Wissenschaftler) nicht immer mit einem einfachen Ja, Nein oder 42 sondern in Abwägung der derzeitig akzeptierten wissenschaftlichen Erkenntnisse – die in der Wissenschaft ständig hinterfragt werden und sich auch ändern können. Für die Lesenden, die gerne zu einem bestimmten Thema mehr erfahren möchten (und sich vom Lesenden zum Verstehenden weiterbilden möchten …), gibt es eine ganze Reihe von Literaturhinweisen am Ende der jeweiligen Artikel.

„Referenzpunkt für die Beschauer waren die ‚nach der Natur‘ gezeichneten Bilder in den naturgeschichtlichen Atlanten, die ‚naturnahen‘ Schilderungen aus Brehms Tierleben und anderen populären Lehr- und Hausbüchern. Sie hatten die Definitionsmacht über das Normale, das Typische in der Natur inne, und jede Abweichung davon erzeugte offensichtlich tiefgreifende Irritationen.”

(Wessely 2008)

… der Wald - die Menschen - die Flüsse - die Fische …

Ein Blick auf die Fische eines natürlichen Gewässers ist nicht möglich, ohne den gesamten Lebensraum in die Betrachtung einzubeziehen. Um das zu verstehen, muss man nicht einmal besonders viel Weitsicht besitzen. Alles ist miteinander verbunden: Der Wald speichert das Wasser der Regenfälle und gibt es über Verdunstung in die Atmosphäre sowie über das Grundwasser und Bäche in die Flüsse weiter. Die Flüsse sind die Lebensadern der Wälder. Sie enthalten Wasser und Nährstoffe für die Wälder sowie Nahrung in Form von Fischen für Menschen und Tiere. Menschen nutzen Flüsse für den Fang von Fischen und den Transport von Gütern, die sie aus dem Wald gewinnen. Wald- und Flussbiotope profitieren von den Fischen, da sie der Fang indirekt schützt. Die Menschen leben in und mit dem Wald und den darin fließenden Gewässern. Fische geben beim jährlichen Sterben in der Trockenzeit wertvolle Nährstoffe (Kohlenstoff, Stickstoff, …) an die Wälder zurück.

… natürlich nicht bei uns …

Diese idyllische und idealisierte Sicht eines naiven romantisierenden Erste-Welt-Bürgers ist bei uns in Europa schon lange Vergangenheit. Die größeren Flüsse in Deutschland sind – bis auf wenige Ausnahmen – schon seit mehreren Generationen begradigt, aufgestaut, zum Teil mit Turbinen zur Stromerzeugung versehen und für die meisten Fische (gerade die wandernden Arten) damit unpassierbar. Dass man sich jetzt wieder auf die Durchgängigkeit von Gewässern im Rahmen der [EU-FFH-Richtlinien] (http://www.fauna-flora-habitatrichtlinie.de/) besinnt, ist aus meiner Sicht zynisch, hat man diese Ziele doch lange dem Fortschrittsstreben und dem Glauben an die absolute Beherrschbarkeit der Natur untergeordnet.
Die Rodach, ein nordbayrischer Mittelgebirgsfluss. Bild Dr. Stefan K. Hetz

Die Rodach, ein nordbayrischer Mittelgebirgsfluss bei Küps im Frühling 2013. Natürlich in weiten Bereichen aufgestaut und nicht durchgängig – aber man arbeitet dran! (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Der Zahn der absoluten technischen Beherrschbarkeit der Flüsse ist uns in Deutschland mit dem Aufeinanderfolgen gleich mehrerer Jahrhunderthochwasser innerhalb kurzer Zeit gezogen worden!

… aber in einigen entlegenen Gebieten …

… in den Tropen mit einer sehr viel geringeren Bevölkerungsdichte, mit alten, nachhaltigen Strukturen der Nutzung, mehr oder weniger unberührten Wäldern und Flüssen kann ein Miteinander mit der Natur noch funktionieren. Das hoffe ich zumindest, sehe aber gleichzeitig einer dauerhaft positiven Entwicklung der letzten unberührten oder zumindest auf den ersten ungeschulten Blick unberührten Gegenden eher skeptisch entgegen.
Am Rio San Martin in Bolivien. Bild Dr. Stefan K. Hetz

Zur Trockenzeit an den felsigen Ufern des Rio San Martin in Bolivien. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Reisen nach Südamerika zeigten mir ein gemischtes Bild. Wunderschöne Landschaften wechseln sich mit Gebieten ab, die einem Sorgen bereiten. Meiner Meinung nach ist es nur der geringen Bevölkerungsdichte zu verdanken, dass es überhaupt noch halbwegs naturbelassene Gegenden in Südamerika gibt. Wäre Amerika schon 50 oder 100 Jahre eher „entdeckt” worden, wäre man heute sicher schon „weiter”. Die im Vergleich zu Europa langsame Bevölkerungsentwicklung hat sicher dazu beigetragen, dass die Besiedelung (und die damit verbundene Umwandlung) des südamerikanischen Kontinents langsamer verlief.
Hoazins am Rio San Martin in Bolivien. Bild Dr. Stefan K. Hetz

Eine Gruppe Hoatzins (Ophisthocomus hoazin) in den Bäumen am Ufer des Rio San Martin in Bolivien. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Aber: Wird sich die gleiche Entwicklung wie in Europa lediglich zeitverzögert vollziehen oder wird „man” aus den Fehlern in Europa lernen? Oder sind die Voraussetzungen heute ganz andere als vor 200 Jahren in Europa? Werden die Verantwortlichen den zeitlichen Vorsprung und Wissensvorsprung überhaupt nutzen (können oder wollen)? Auch auf die Entwicklungen in den Tropen – vor allem die Flüsse betreffend – möchte ich im Rahmen meiner Möglichkeiten auf diesen Seiten hinweisen.

… Fische nutzen?

Ja, warum nicht? Wenn die Nutzung nachhaltig erfolgt und (als Nebeneffekt) der Erhaltung der Lebensräume Flüsse und Wald und damit der Erhaltung des Individuums, der Population, des Ökosystems dient? Ich spreche mich eindeutig für eine verantwortungsvolle Heimtierhaltung aus, die klaren Regeln gehorcht.

Dazu gehört vor allem, sich vor der Anschaffung eines Aquariums mit Fischen wie bei allen Heimtieren (Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde und Katzen nicht ausgenommen!) ausführlich über dessen Ansprüche an Ernährung, Unterbringung (bei Fischen über deren Platzbedarf, Vergesellschaftung, Größe, Einrichtung und Strukturierung eines Aquariums), Umgebungsbedingungen wie Licht, Temperatur und – besonders wichtig bei Fischen – gewisse Wasserparameter und Hygienebedingungen (Filterung, Wasserwechsel) zu informieren. Forderungen also, die ja eigentlich schon im Tierschutzgesetz fest verankert sind. Bei der Definition und Einhaltung dieser Regeln sind Wissenschaft, Gesetzgeber, Politik, Halterverbände und Zoofachhandel gleichermaßen gefordert!

Ich bin auch für den Austausch von Fischen im Rahmen sogenannter Tierbörsen unter bestimmten strengen und gerne auch kontrollierten Auflagen. Ich halte diese Tierbörsen für geeignet, Nachzuchten abzugeben und Überbestände im Hobby zu verbreiten (was ja die ursprüngliche Intention der Tierbörsen ist!). Tierbörsen sind notwendig, da die früher gängige Praxis im Zoofachhandel, Nachzuchttiere von privaten Züchtern anzunehmen und zu verkaufen, durch eine in den letzten Jahren völlig andere Strukturierung des Zoofachhandels heute nicht mehr möglich ist. Auch bei Tierbörsen sind strenge Standards zu definieren sowie deren Einführung und Einhaltung streng zu überwachen!
Ufer des Cano Bocon in Kolumbien. Bild Dr. Stefan K. Hetz

Ufer des Cano Bocon in Kolumbien. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Aquarienfische – damit bezeichne ich diejenigen Fischarten, die, anders als die schon seit langem in Aquarien gehaltenen und zum Teil domestizierten Fische – bisweilen aus der Natur entnommen und in menschlicher Obhut in Aquarien gepflegt und vermehrt werden, können eine nachhaltige „Nutzung” (da kommt dieses Wort schon wieder!) dieses Lebensraumes für Mensch und Tier ermöglichen und somit helfen, Lebensräume, Arten und Populationen als schützenswerte Ressourcen auf Dauer zu erhalten. Dazu gehören aber auch zu definierende Standards für den Fang, den Transport und den Import der Tiere, deren Einführung und Einhaltung überwacht werden muss.
Aphyosemion australe, ein kleiner afrikanischer Killifisch. Bild Dr. Stefan K. Hetz

Aphyosemion australe, ein kleiner afrikanischer Killifisch. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Ich bin gegen Positivlisten in der Heimtierhaltung. Ich halte es aus Tierschutzgründen nicht für fair, für einige Arten die Haltungsstandards sehr hoch anzusetzen, während sie für andere Tiere – die Arten, die dann auf der Positivliste gelistet werden – niedriger sind. Ich bin jedoch durchaus für einen (freiwilligen?) Nachweis der Sachkunde und die Überarbeitung der Haltungsstandards bei Heimtierhaltung. Jeder, der ein Tier halten möchte, sollte sich über die oben angesprochenen Regeln im Klaren sein und diese auch – möglichst nachvollziehbar und gegebenenfalls auch nachprüfbar – für die zu haltende Tierart vor dem Erwerb eines Tiers unter Beweis stellen. Und das meine ich nicht nur beim Erwerb von Exoten!

Die neuerdings etwas despektierlich (so kann sich die Bedeutung eines Wortes ändern, wenn man die Deutungshoheit darüber erlangt hat) als Exoten bezeichneten Fische („Wildfänge” oder „Naturentnahmen”) kommen aus verschiedenen, meist tropischen Gebieten und werden sehr oft von Fischern indigener Abstammung gefangen. Wieso auch nicht? Damit gehen diese Bevölkerungsgruppen einer Tätigkeit nach, die diese seit langer Zeit ausüben und haben zudem die Möglichkeit zu einem regelmäßigen (aber leider nur geringen!) Auskommen. Ich spreche mich deshalb auch für eine faire Preisgestaltung bei Heimtieren aus. Haben sie schon einmal ein Mineralwasser in einem Café in der belebten Fußgängerzone einer größeren Stadt gekauft? Es kann nicht sein, dass fünf kleine Fische nur so viel kosten wie die Menge an Wasser, die für deren Transport nötig ist … denken Sie bitte mal darüber nach!
Zierfischfang am Cano Bocon in Kolumbien. Bild Dr. Stefan K. Hetz

Einfache Zwischenhälterung von Zierfischen einer indigenen Gemeinde am Cano Bocon in Kolumbien. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Lesen Sie als romantisierender Erste-Welt-Bürger, und nun komme ich schon zum Ende, mal nach, was unsere Landwirte oder Waldbesitzer davon halten, ohne Entschädigung auf die Bewirtschaftung von Flächen (heute Nutzflächen, früher auch mal „Urwald”) verzichten zu müssen – und dann versetzen Sie sich in die Situation einer indigenen Gemeinde in einem Ramsar -Schutzgebiet …

Literatur

Lorenz, K. (1974). Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen. 21. Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 146 Seiten.

Wessely, C. (2008). “Artificial Animals etc.” Popular Natural History and Bourgeois Curiosity around 1900. NTM 16 (2): 153–182.

Wessely, C. (2013). Watery Milieux. Ecological Perspectives in Marine Biology and Aquarium Studies around 1900. Berichte Zur Wissenschaftsgeschichte 36 (2): 128–147.