Ein Wunschfisch …

Hyphessobrycon heterorhabdus gehörte seit meiner Kindheit auf die Wunschliste von Fischen. Seit ich im Alter von 14 Jahren die Art auf dem Einband eines kleinen Büchleins (Jocher 1968) gesehen hatte, wusste ich, dass ich diesen Fisch irgendwann einmal haben (und natürlich auch züchten) wollte. Ich gebe es ja zu, es war die Färbung der Tiere, die mich fasziniert hat. Nun bin ich ein recht geduldiger Mensch; keiner der „dringend“ irgendeine Art sucht und dafür hunderte von Kilometern zurücklegt. Oft löst sich das Problem überraschend ganz von allein, auch wenn es, wie bei H. heterorhabdus, mehr als zwanzig Jahre dauert.

Importgeschichte

Die Salmlerart wurde schon vor mehr als 120 Jahren beschrieben (Ulrey 1894). Aber erst gut vier Jahrzehnte später (Arnold 1939) wurde die Art in der Natur lebend gesammelt und für die Aquaristik verfügbar gemacht, obwohl H. heterorhabdus nach Aussagen von Eggeling schon um 1905 in Hamburg eingeführt worden sein soll (Eggeling 1956).

„Geradezu entzückt war ich von dem Anblick eines kleinen Tetragonopterus, von dem mir gelegentlich eines Besuches in Lankwitz zum Zwecke des Photographierens von Neuheiten Herr Matte unverhofft ein Pärchen in einem kleinen Akkumulatorenglase vor das Gesicht hielt. …
Tetragonopterus ulreyi Boulenger – ich möchte für ihn die deutsche Bezeichnung Flaggensalmler vorschlagen – ist im vergangenen Jahre zuerst vom Verein „Roßmäßler” in Hamburg importiert worden …“

Köhler (1907)

Als Flaggensalmler wird in der Aquaristik zwar meistens eine andere Art bezeichnet, aber die bei Köhler (1907) auf Seite 83 in einem Schwarzweiss-Foto abgebildete Art passt ganz gut zu Hyphessobrycon heterorhabdus. Die später verwendeten Bezeichnungen falscher und echter Ulrey (siehe weiter unten) deuten darauf hin, dass unter dem Namen zwei oder mehr Arten in der Aquaristik gehalten wurden (vgl. auch Franke 1971).

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Art dann dauernd im Standardangebot des Aquaristikfachhandels zu finden, obwohl ihre Nachzucht als schwierig galt (Nachstedt und Tusche 1950, Vogt 1959, Jocher 1968). Eine ganze Reihe von Haltungs- und Zuchtberichten in den einschlägigen Aquarienfachzeitschriften zeugen davon.
Eine Gruppe von Hyphessobrycon heterorhabdus

Eine erwachsene Gruppe von Hyphessobrycon heterorhabdus im Artbecken.

Wie auch immer, in den späten 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts waren keine Tiere mehr im Handel zu bekommen, zumindest (oder schon gar) nicht in Ober- und Mittelfranken, wo ich damals wohnte. Auch die deutschen Bezeichnungen für den Fisch waren nicht immer einheitlich, was die Suche nach der Art nicht gerade erleichterte. Von „Flaggensalmler“ über „falscher“ und „echter Ulrey“ (nach dem Erstbeschreiber) bis hin zum mittlerweile gebräuchlichsten Namen „Dreibandsalmler“ war alles an Namen vertreten.

Endlich wieder da …

Die Firma aqua-global in Seefeld importierte im Jahre 2003 Wildfänge von H. heterorhabdus, fälschlicherweise beim Exporteur als H. amapaensis (eine mindestens ebenso attraktive Art) angepriesen. Diese Art (H. amapaensis) wurde von Zarske und Géry (1998) auch als Stellvertreterart von Hyphessobrycon heterorhabdus angesehen.

Ich und auch weitere Aquarianer (Rene und Matthias) in Berlin übernahmen dennoch kleinere Gruppen der hübschen Hyphessobrycon heterorhabdus. Ich hielt die Tiere in einem Gemisch von einem Drittel Leitungswasser und zwei Dritteln Umkehrosmosewasser. Die Temperatur bewegte sich – in meinen ungeheizten Aquarien – zwischen 22°C im Winter und gut 28°C im Sommer. Alte Berichte (Wilhelm 1960) weisen darauf hin, dass die Tiere auch bei 20°C noch aktiv sind. Die Nachzucht gelang damals jedoch keinem von uns und so waren die Tiere nach ein paar Jahren wieder verschwunden. So kann es gehen.

Irgendwie bekam ich aber dann doch noch meine lang ersehnten Nachzuchttiere vor gut zehn Jahren von Kurt, als der zusammen mit ein paar weiteren Aquarianern aus der westlichen Hälfte Deutschlands die Firma aqua-global in Seefeld besuchte. Ursprünglich wollte mir Kurt nur H. amapaensis mitbringen, eine Art, auf die ich seit deren Erstbeschreibung (Zarske und Géry 1998) scharf war, aber auch darauf lange warten musste.
Ein Weibchen von Hyphessobrycon heterorhabdus

Ein Weibchen von Hyphessobrycon heterorhabdus. Weibchen sind fülliger als die Männchen und oft, bei gleichem Alter, auch etwas größer. Zum Laichansatz können die Tiere für zwei bis vier Tage getrennt und dann im Zuchtbecken zusammengesetzt werden. Wenn die Tiere länger getrennt werden, kann es zu Problemen bei der Eiablage kommen, oft entwickeln sich dann auch viele der Eier nicht.

Von beiden Arten bekam ich von Kurt tadellose jüngere Tiere in guter Kondition, die ich ein paar Monate später (im Winter) – die Tiere waren gut ein Jahr alt – zur Zucht ansetzte. Ohne Probleme gelang die Zucht fast auf Anhieb in einem kleinen, nur 30 mal 20 Zentimeter Bodenfläche aufweisendem Zuchtbecken mit Laichrost. Der Laichrost (zum Verhindern, dass die Eier gefressen werden) bestand aus einer gelöcherten und genau eingepassten PVC-Platte, die ca. 20 mm über dem Glasboden stand. Zum Verstecken und als Laichsubstrat gebe ich den Tieren ein wenig Javamoos und/oder Kokosfaser.
Jungfische von Hyphessobrycon heterorhabdus

Eine Gruppe Jungfische von Hyphessobrycon heterorhabdus. Ich zog nicht immer alle Tiere auf. 30 bis 40 Tiere reichen, um die eigene Gruppe zu erhalten und auch ab und zu Tiere abgeben zu können.

Seitdem schwammen die Tiere in meinen Aquarien. Ab und zu interessierte sich jemand für die Tiere, dann gab ich eine kleine Gruppe ab und zog kurz darauf wieder Tiere nach.

Haltung …

Die Fische wurden bei mir bis ca. fünf Zentimeter groß und waren recht gut in einer kleineren Gruppe von 8 bis 15 Tieren zu pflegen. Außer ein paar kleineren Geplänkeln der Männchen untereinander waren sie recht friedlich und ich vergesellschaftete sie recht gerne mit einigen scheueren Zwergbuntbarschen, die sich von den Salmlern gerne aus der Reserve locken ließen.
Größere Jungfische von Hyphessobrycon heterorhabdus

Die Jungfische von Hyphessobrycon heterorhabdus sind nach drei bis vier Monaten bei guter Fütterung und häufigem Wasserwechsel größer und farbiger geworden.

Man konnte sie mit den gebräuchlichen Futtersorten von qualitativ hochwertigen Flocken, Granulat, Tabletten und Frostfutter ernähren. Häufige und reichliche Wasserwechsel sind in den recht dicht besetzten aufzuchtbecken natürlich obligatorisch! Zum Laichansatz bekamen sie aber Lebendfutter, weshalb ich sie auch meistens im Herbst oder Winter, wenn genug Futter zur Verfügung stand, zur Zucht ansetzte.

… und Zucht

Zur Zucht setzte ich die Fische in reinem Umkehrosmosewasser oder in einem Gemisch von drei Teilen Umkehrosmosewasser und einem Teil Berliner Leitungswasser in einer kleinen Gruppe von 2,3 bis 5,5 in einem wie schon oben erwähnten 30er Zuchtbecken an. Der Ansatz von Salmlern in Paaren klappte bei mir nicht immer, aber das ist eine andere Geschichte. Manchmal gebe ich auch noch einen Erlenzapfen und einen Milliliter einer stark verdünnten Jod/Jodkali-Lösung zu (aber das ist noch eine andere Geschichte). Schon am nächsten Tag hatte mindestens ein Weibchen Eier abgelegt. Wenn es mal nicht gleich klappte; nach einem weiteren Tag waren sicher Eier da.
Ein Männchen von Hyphessobrycon heterorhabdus

Ein Männchen von Hyphessobrycon heterorhabdus. Männchen sind kleiner, schlanker und zeigen kleine Haken an der Afterflosse, in der sie oft beim Herausfangen kurz haftenbleiben.

Die Jungfische schlüpften schon recht bald (nach ungefähr 24 Stunden). Ich füttere sie mit Paramecien und Micro an und schon nach spätestens weiteren fünf Tagen nehmen die Jungfische frisch geschlüpfte Artemia. Auch ältere Fische brachten nach mehreren Jahren noch gute Nachzuchtergebnisse und von Laichverhärtung und besonderer Empfindlichkeit der Jungfische kann ich hier nicht berichten.

Gesuchte Fische?

Dass sich H. heterorhabdus doch nach wie vor recht großer Beliebtheit im Hobby erfreut, habe ich vor mehreren Jahren, im Januar 2009, auf einer der Berliner Heim, Tier und Pflanze Messen im Rahmen der Internationalen Grünen Woche erleben können. Die Deutsche Cichliden Gesellschaft (DCG), eine Fachgruppe für Buntbarsche (Cichliden), in der ich seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts Mitglied bin, hatte eine Ausstellung verschiedener Buntbarsche organisiert.
Ausstellung von Buntbarschen der DCG

Eine Ausstellung von Buntbarschen der DCG. Ich hatte einige Apistogramma-Arten mit jeweils einer kleine Gruppe von Hyphessobrycon heterorhabdus vergesellschaftet. Die Salmler waren für viele Aquarianer interessanter als die Buntbarsche.

Ich hatte ca. 60 Salmler in drei Aquarien zusammen mit diversen Apistogramma-Arten ausgestellt und hatte fast den Eindruck, die Salmler waren für viele Besucher deutlich interessanter als die Zwergbuntbarsche. Auf jeden Fall wurden die Fische nach der Messe alle an interessierte Aquarianer abgegeben.

Ungefähr 50 erwachsene Tiere hatte ich 2009 in meinen Aquarien zurückbehalten, um sie weiter nachzuziehen. Einige Tiere hatte ich später aus dieser Gruppe doch noch abgegeben. Nach und nach wurden die Tiere über die Jahre weniger. Das Nachzüchten verschob ich immer wieder, irgendwann klappte es auch nicht mehr mit fünf bis sieben Jahre alten Tieren. Leider ist die Art mittlerweile bei mir nicht mehr vorhanden … ich hätte sie doch mal wieder nachziehen sollen …

Literatur

Arnold, J. P. (1939). Ergebnisse einer Sammelexpedition nach dem mittleren Amazonenstrom. Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde 39: 49-51.

Eggeling, H.-H. (1956). Hyphessobrycon heterorhabdus (Ulrey) der Dreibandsalmler. Die Aquarien und Terrarien-Zeitschrift (DATZ) 9 (1): 1-2.

Franke, H.-J. (1971). Salmler- Neuheiten 1964-1968. 7. Aquarien Terrarien (AT) 18 (1): 8 – 9.

Jocher, W. (1968). Problemfische II. Stuttgart: Kosmos-Verlag, Franckh´sche Verlagshandlung; 65 Seiten.

Köhler, W. (1907). Weitere Neuheiten des vergangenen Importjahres. 3. Die Familie der Characinidae (Salmler) - Fortsetzung. Blätter für Aquarien- und Terrarienkunde 18 (9): 81 – 84.

Nachstedt, J. und Tusche, H. (1950). Züchterkniffe I. Stuttgart: Alfred Kernen Verlag; 47 Seiten.

Ulrey, A. B. (1894). Preliminary descriptions of some new South American Characinidae. American Naturalist 28 (331): 610-611.

Vogt, D. (1959). Salmler II. Stuttgart: Alfred Kernen Verlag; 48 Seiten.

Wilhelm, H. (1960). Pflege und Zucht des Dreibandsalmlers Hyphessobrycon heterorhabdus Ulrey. Die Aquarien- und Terrarien-Zeitschrift (DATZ) 13 (6): 162 – 163.

Zarske, A. und Géry, J. (1998). Hyphessobrycon amapaensis spec. nov., eine neue und mutmassliche Stellvertreterart von Hyphessobrycon heterorhabdus (Ulrey, 1894) aus dem Bundesstaat Amapa in Brasilien (Teleostei: Characiformes: Characidae). Zoologische Abhandlungen (Dresden) 50 (1): 19 – 26.

Bolivien

Beim Stichwort Bolivien denkt der Leser wahrscheinlich zunächst an das bolivianische Hochland sowie an die architektonischen Sehenswürdigkeiten der vergangenen Hochkulturen in den Anden. Die Staatsfläche von Bolivien besteht jedoch nicht nur aus Hochland. Mehr als die Hälfte des Landes ist zum amazonischen Tiefland zu rechnen. Das Amazonastiefland von Bolivien liegt im Durchschnitt auf nur gut 100 bis 200 Meter Meereshöhe. Wie der Name schon andeutet, entwässert das Tiefland nach Norden zum Amazonas hin.

Bolivianische Flüsse …

Das Tiefland wird von vier großen Flüssen oder besser Flusssystemen beherrscht, die hier kurz vorgestellt werden. Das Einzugsgebiet der Flüsse beinhaltet sehr unterschiedliche Bereiche, weshalb ihr Wasser bezüglich der gelösten Stoffe und Sedimente auch sehr verschieden ist. Die meisten der Flüsse entspringen in den Anden im Westen und durchqueren das Amazonastiefland. Nur ein Fluss entspringt im Tiefland im Süden bzw. Südosten in der Mato Grosso Region.
Die wichtigsten Flusssysteme in Bolivien

Die wichtigsten Bolivianischen Flusssysteme farbig unterschieden im Überblick. Bis auf den Rio Guaporé / Iténez und seine Zuflüsse sind die aus den Anden gespeisten Flüsse typische Weißwasserflüsse mit teilweise extrem hoher Sedimentfracht. (Karte: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die Flüsse aus den Anden tragen eine sehr hohe Sedimentfracht mit sich und werden typischerweise als Weisswasserflüsse bezeichnet. Die Flüsse aus dem Süden und Südosten tragen deutlich weniger Sediment und sind eher dem Klarwassertyp zuzuordnen. Besonders klare und sedimentarme Gewässer finden sich in den Zuflüssen aus dem Mato Grosso.

Madre de Dios

Der Madre de Dios liegt im Norden von Bolivien. Der Weißwasserfluss entspringt in Peru und durchquert die gleichnamige peruanische Provinz bevor er das nördliche Bolivien von Südwesten nach Nordosten durchquert. Sein Einzug, vor wenigen Jahren noch in großen Bereichen mit primärem Urwald bestanden, beinhaltet mit ungefähr 125 000 Quadratkilometern ungefähr ein Drittel der Fläche der Bundesrepublik. Die mittlere Abflussrate beträgt mit knapp 5000 Kubikmetern pro Sekunde (!) gut das Doppelte des Rheins.

Rio Beni

Weiter nach Osten schließt sich der aus süd/südwestlicher Richtung aus den Anden kommende Rio Beni an, der den Madre de Dios bei der Stadt Riberalta aufnimmt und zusammen mit dem noch weiter östlich von Süden nach Norden fließenden Rio Mamoré den Rio Madeira bildet. Das Einzugsgebiet des Rio Beni umfasst mehr als 280 000 Quadratkilometer. In der Nähe der Stadt Rurrenabaque verläßt der Rio Beni die Anden und fließt dann ca. 1000 km nach Norden. Auf dem Weg zu seiner Mündung hat der Rio Beni zusammen mit dem weiter östlich nach Norden fließenden Río Mamoré im Tiefland eine große Menge Sediment abgelagert und dabei ein Schwemmland errichtet, welches immer wieder überflutet wird wobei der Fluss dauernd seinen Lauf leicht verändert und so vielfältige Lebensräume mit Lagunen und Altarmen schafft. In der Nähe der Stadt Riberalta vereinigt sich der Rio Beni mit dem Madre de Dios. Gefährdet ist der Rio Beni durch sein relativ hohes Goldvorkommen im Oberlauf und die Planung von Wasserkraftwerken zur Erzeugung von Elektrizität.

Rio Mamoré

Die Quellflüsse des Rio Mamoré strömen dem Rio Mamoré im Südwesten von Bolivien aus den Anden aus der Gegend von Cochabamba zu. Nachdem der Rio Mamoré weitere Flüsse aufgenommen hat, fließt er nach Norden vorbei an Trinidad (nicht verwechseln mit der Insel) einer wichtigen Stadt im Tiefland von Bolivien. Im Bereich der Brasilinischen Grenze nimmt der Rio Mamoré den östlichen Grenzfluss zu Brasilien, den Rio Iténez bzw. den Rio Guaporé auf. In der Nähe der Stadt Villa Bella vereinigt er sich mit dem Río Beni zum Rio Madeira, dem größten Nebenfluss des Amazonas.

Rio Guaporé

Der Rio Guaporé oder Iténez, wie er in Bolivien genannt wird, ist ein Klarwasserfluss mit relativ geringen Wasserstandsschwankungen. Er entspringt in einer geologisch älteren Region und weist deshalb weniger Sedimente auf. In seinem südlichen Einzugsbereich (um die Stadt Corumbá) hat der Rio Guaporé Verbindung zum Flusssystem des Rio Paraguay. Der pH im Rio Guaporé liegt zwischen 6.2 und 6.9. Im Rio Guaporé zeigen vor allem die Fischgruppen der Salmler und der Welse eine sehr große adaptive Radiation.

Bis auf den letztgenannten Fluss, den sind die großen Flüsse Boliviens typische Weißwasserflüsse, die eine riesige Sedimentfracht aus den Anden abtransportieren. Besonders der Rio Beni und der Rio Mamoré tragen mit ihrer unglaublich großen Sedimentfracht dazu bei, dass der Rio Madeira der Weißwasserfluss mit der insgesamt größten Sedimentfracht im Einzugsbereich des Amazonas ist.
Karte von Bolivien mit Flußsystemen

Die Karte von Bolivien zeigt neben den wichtigsten Orten, dass das von den vier großen Flusssystemen Madre de Dios, Beni, Mamoré und Iténez beherrschte amazonische Tiefland (in der Karte grün) einen großen Teil des Landes ausmacht. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Als nach Bolivien reisender, an Ökologie und Fischfauna interessierter Aquarianer, braucht man sich keine Gedanken darüber zu machen, dass man die Fische im Weißwasser der Flüsse in Bolivien womöglich gar nicht sehen kann und meistens im Trüben fischt. Anderes als die Hauptflüsse sind die kleineren Nebenflüsse oder Bäche, die direkt im amazonischen Tiefland entspringen, durchaus Klarwasserflüsse oder sogar Schwarzwasserflüsse.
Reisen mit dem Flugzeug

Für Reisen im amazonischen Tiefland empfiehlt sich das Flugzeug. Die großen Städte wie Trinidad werden von größeren Jets (oben), die Hauptrouten von kleineren Jets (unten links) oder Propellermaschinen mit ungefähr 20 Sitzplätzen bedient. Die kleineren Flugstrecken werden mit Cessnas (unten rechts) bedient, die – offiziell – vier Personen befördern können. Wir sind aber auch schon mit sechs Personen und Gepäck geflogen, dazu in einer späteren Folge mehr. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Seen

Besonders attraktiv sind eine Reihe relativ großer Seen in der Mitte des amazonischen Tieflandes, die zwar sehr flach sind, deren Wasser aber auch – zumindest bei einem See kann ich das bestätigen – kaum von Sedimenten getrübt ist. Gerade diese Seen stellen ein sehr attraktives Revier für Taucher und Schnorchler dar, da sie ausgedehnte Bestände von Wasserpflanzen sowie eine reiche Fisch- und Vogelfauna aufweisen. Sie sind jedoch nicht ohne Weiteres auf dem Landweg zu erreichen.
Los Lagos

Blick über einen der flachen Seen im Gebiet von Los Lagos im Tiefland. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Reisen mit dem Flugzeug

Will man sich im amazonischen Tiefland bewegen, so ist man vor allem auf das Flugzeug angewiesen. Die Hauptstrecken werden dabei von kleineren Jets mit knapp 20 Sitzplätzen bedient, während die unbefestigten Pisten nur von kleineren Cessnas angeflogen werden. Ich reiste mit einer kleinen Gruppe – wir waren zu viert – von begeisterten Berliner Aquarianern im September des Jahres 2007, also zur Trockenzeit, nach Bolivien. Nachdem wir in Santa Cruz , der Hauptstadt des amazonischen Tieflandes angekommen waren, machten wir uns per Flugzeug vom Flughafen El Trompillo aus auf den Weg an die drei Orte, die wir uns in unserer Reisplanung ausgesucht hatten.
Was einpacken?

Was nimmt man mit, wenn man auf eine Reise zum Fischfang geht? Schwer zu sagen, das nächste mal sicher andere Sachen. Wichtig ist, es alles verstauen und auf einmal wegtragen zu können. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wenn man sich im amazonischen Tiefland bewegen will, ist man immer darauf angewiesen, die Stadt Trinidad im Department Beni als Ausgangspunkt zu nehmen. Diese nette kleine Stadt besitzt wie alle per Straße schlecht zu erreichennden Orte einen relativ großen Flugplatz und alle Flüge in andere Landesteile kann (oder muss) man von hier aus unternehmen.
Cobija

Eine Karte der Gegend um Cobija. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org unter Verwendung von Kartenmaterial von OpenStreetMap (http://www.openstreetmap.org/) veröffentlicht unter ODBL (http://opendatacommons.org/licenses/odbl/)

Cobija

Unser erster Reiseabschnitt führte uns ganz in den Norden Boliviens in den Ort Cobija , die Hauptstadt des Departments Pando. Ich klebte während des Fluges die die ganze Zeit am Fenster und betrachtete die Flusssysteme, die wir überflogen und malte mir aus, was es wohl für Fische dort geben könnte. Leider wurde die Sicht schon sehr bald nach dem Abflug durch eine starke Rauchentwicklung infolge des Abbrennens von Weideflächen (es war Trockenzeit) sehr schlecht.
Flug nach Cobija

Blick aus dem Flugzeug beim Flug von Trinidad nach Cobija. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Cobija liegt am Grenzfluss zu Brasilien, dem Rio Acre , den wir uns bei unserer Ankunft als erstes ansahen. Dieser Fluss, unschwer als Weißwasserfluss zu erkennen, entwässert in den Rio Purus , einen südlichen Zufluss zum Amazonas.
Rio Acre

Der Rio Acre zur Niedrigwasserzeit. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Direkt in der Mitte des Rio Acre verläuft die Grenze zu Brasilien, das man auf einer Brücke über den Rio Acre erreichen kann. Der Rio Acre war mir ein schon vor der Reise ein Begriff, war doch die Art Apistogramma acrensis nach diesem Fluss benannt worden. Diese Art wurde von Wolfgang S. einem der Mitreisenden, im Jahre 2003 beschrieben. Da ich mich neben Salmlern und kleinen Welsen vor allem für Zwergbuntbarsche interessiere, kam mir dieses erste Reiseziel natürlich nicht ganz ungelegen.
Brücke über den Rio Acre

Die Brücke über den Rio Acre in Cobija verbindet Bolivien mit Brasilien. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Ein weiterer Grund zum Besuch der Gegend um Cobija war, dass ich in wissenschaftlichen Zeitschriften Berichte über Aufsammlungen von Fischen gelesen hatte. Diese Aufsammlungen machten deutlich, dass in diesem Bereich von Bolivien ein sogenannter Hotspot der Biodiversität ist. An diesem Ort findet man also mehr Fischarten bzw. -formen als an anderen Orten.

Biodiversität?

Eine Messkomponente der Biodiversität sind verschiedene Biodiversitätindizes, die nach mathematischen Verfahren ermittelt werden. Diese Indizes setzen meistens die Anzahl der Arten und Individuen in einem bestimmten Areal in einen Bezug. Bei Pflanzen können Indizes auf diese Weise sehr gut ermittelt werden, weil diese standorttreu sind. Bei Fischen gelingt das oft weniger gut. Hier – wie bei allen ortsbeweglichen Organismen – schafft man es meist nicht, alle Arten und Individuen ohne Fehler zu bestimmen.

Eine pragmatische Art und Weise die Anzahl von Arten in einem Gewässer abzuschätzen, ist die Bestimmung der Anzahl der neu gefangenen Arten oder Formen. Diese werden pro Zeiteinheit (meistens pro Tag) aufsummiert und an den folgenden Fangtagen zu den vorherigen Tagen addiert. Fängt man also am ersten Tag wenige Fische und am zweiten und dritten Tag nur noch wenige neue Arten und am vierten Tag nur noch bekannte, bereits gefangene Arten, so ist man entweder ein schlechter Fänger oder – wahrscheinlicher – die Biodiversität ist gering. In einem Gewässer mit hoher Diversität wird man auch nach mehreren Tagen immer noch weitere neue Fischarten fangen. Die Kurve der kumulativen Anzahl der Arten wird also lange weiter ansteigen.
Biodiversität

Eine Möglichkeit, die Anzahl von Arten in einem Gewässer abzuschätzen, ist die Bestimmung der Anzahl der täglich neu gefangenen Arten. Diese werden jeden Tag zu den an den vorherigen Tagen gefangenen Arten addiert. Bei geringer Biodiversität werden schon nach kurzer Zeit keine neuen Arten gefangen (blaue Datenpunkte) wohingegen bei hoher Diversität ständig weitere neue Fischarten gefangen werden (rote Datenpunkte). (Grafik: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Im Ort Cobija machten wir am besten Hotel am Platz (nach eigener Aussage, aber die traf auch weitgehend zu) Quartier. Nachdem wir am nächsten Tag einen Fahrer – Sebastian – mit einem Kombi für die nächsten Tage direkt von der Straße weg rekrutiert hatten, machten wir uns auf den Weg, um die Stadt zu inspizieren.
Taxi für Fahrten um Cobija

Der geräumige Kombi unseres Fahrers Sebastian sollte für die nächsten Tage unser Transportmittel für die Fahrten rund um Cobija werden. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Von der Stadt aus führte eine gut ausgebaute asphaltierte Straße nach Süden sowie eine weitere Straße nach Norden über die Brücke über den Rio Acre ins benachbarte Brasilien.

Porvenir

Unser erster Trip ging nach dem Verpacken unserer umfangreichen Ausrüstung deshalb nach Süden an verschiedene Wasserstellen, Flüsse oder Bachläufe. Schon am ersten Biotop, einem kleinen sumpfigen Wasserloch welches durch eine Straßenunterführung in einen kleinen Bachlauf auf der anderen Straßenseite Richtung Süden entwässerte, machten wir unsere ersten interessanten Fänge.
Biotop südlich von Cobija

Wir sind nicht weit gekommen. Schon kurz nach dem Verlassen von Cobija in südliche Richtung stoppten wir an einem Gewässer direkt neben der Strasse. Es entwässerte unterhalb der Strasse in ein flaches Sumpfgebiet mit mehreren Kolken. Der Vorteil eines Fahrers ist, dass immer jemand beim Auto bleiben kann … und alle anderen zum Fischfang aufbrechen können. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Schon dort, wo die Gewässer nach Norden in das Flusssystem des Rio Acre entwässerten, fingen wir mehrere Exemplare von Apistogramma acrensis. Dort, wo die Vegetation nur ganz flach von Wasser überspült wurde, fing ich auch einige Rivulus, die Florian L., ein weiterer Begleiter, mitnahm, gesund nach Hause brachte und auch im Aquarium erfolgreich nachziehen konnte.
Crenicichla

Diese hübsche Crenicichla-Art fingen wir auch. Hier nur Aufnahmen aus der Fotoküvette von weiblichen und einem männlichen Tier. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Für mich völlig unerwartet fing ich auch mehrere hübsche Crenicichla, die ich aufgrund ihrer Größe aber nicht mitnahm. Jürgen, mein dritter Begleiter, versuchte – erfolgreich – einige Jungfische dieser Art zu erbeuten und diese mit nach Deutschland zu nehmen was ihm aber nicht gelang, da er ihnen während der folgenden drei Wochen Reise nicht das geeignete Futter anbieten konnte.
Hyphessobrycon eschwartzae

Diesen attraktiven Salmler zogen wir am 9. September 2007 in wenigen Exemplaren aus dem Tümpel neben der Strasse südlich von Cobija. Möglicherweise handelt es sich hier um die Art Hyphessobrycon eschwartzae. Später fingen wir in näheren und weiteren Umkreis noch andere Fische dieser Art/Form. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Auch einen schönen Salmler, der uns im ersten Moment an den in der Aquaristik weit verbreiteten schwarzen Neonfisch, Hyphessobrycon herbertaxelrodi erinnerte, fingen wir dort. Leider verlor diese Art schon nach wenigen Tagen die hübsche Gelbfärbung, die die Tiere noch in der Fotoküvette zeigten. Das Bild des Salmlers im Aquarium zeigt diese Art von der wir zunächst dachten, diese und alle anderen um Cobija gefangenen Tiere gehörten alle der gleichen Art an. Mittlerweile bin ich mir allerdings nicht mehr sicher, ob das wirklich alles die gleiche Art, bzw. Form, gewesen ist, die wir dort angetroffen hatten. Einer der damals gefangenen Arten ist mittlerweile als Hyphessobrycon eschwartzae beschrieben worden.
Hyphessobrycon eschwartzae im Aquarium

So sehen die Tiere von Hyphessobrycon cf. eschwartzae (ich bin hier mal vorsichtig mit der Bestimmung) nach einigen Wochen (im Oktober 2007) im Aquarium aus. Die Tiere stammten aus einem kleinen Regenwaldbach, der ca. 25 km südlich vom Fundort der obigen Art auf der südlichen Seite des Rio Tahuamanu die Strasse von Porvenir nach Filadelfia kreuzte. Die intensive Gelbfärbung ist bereits völlig verschwunden. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Hyphessobrycon eschwartzae wurde mittlerweile aus dem südlichen Peru importiert und auch nachgezüchtet. Hans hatte Tiere nicht weit entfernt von unserem Fundort auf der peruanischen Seite bei einer Reise gefunden. Diese Tiere waren jedoch viel größer als die kleineren Tiere, die ich mitgebracht hatte.
Hyphessobrycon eschwartzae im Aquarium

Und das ist ein in Bolivien gefangenes Tier im Aquarium 8 Jahre später im September 2015. Blind, sehr stark abgemagert und kaum mehr konkurrenzfähig gegen die anderen Fische wurde dem Tier ein Platz in einem Aquarium geschaffen, wo es seine Ruhe hatte und ich es gezielt mit Frostfutter füttern konnte. Ein Alter von mehr als 8 Jahren dürften die Tiere in der Natur sicher nicht erreichen, aber offenbar sind sie bei guter Pflege durchaus fähig, so alt zu werden. Aber das ist eine andere Geschichte … (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Ein weiterer Salmler gehörte der Unterfamilie Glandulocaudinae an. Diese Fische zeichnen sich durch eine innere Besamung aus, sind aber momentan in der Aquaristik nicht häufig vertreten. Auch eine Bodensalmler der Gattung Characidium fingen wir, ebenso einen Vertreter der Gattung Pyrrhulina, der offensichtlich eine verkrüppelte Kopfpartie besaß (auch das gibt es inder Natur!). Diese Gruppe von Salmlern sollten wir später noch öfters antreffen.
Junge Pyrrhulina in der Nähe von Cobija

Eine junge Pyrrhulina. Die Kopfpartie ist sehr stark verkrüppelt, was aber auch die Folge einer länger zurückliegenden Verletzung sein kann. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Dass diese Fische auch Fressfeinde besitzen war uns klar, nachdem wir mehrfach kleinere Raubsalmler der Gattung Hoplias fingen. Diese Tiere liegen meistens relativ bewegungslos auf dem Grund des Gewässers und lauern auf Beute. Sie gehören zur Familie der Erythrinidae (Raubsalmler). Diese wissenschaftlich recht gut untersuchte Fischfamilie ist in Südamerika weit verbreitet. Die Arten der Familie können aufgrund ihrer Fähigkeit, Oberflächenatmung zu betreiben sowie zum Teil auch atmosphärische Luft zu atmen, in den verschiedensten hypoxischen Biotopen überleben.
Junger Raubsalmler in der Nähe von Cobija

Ein kleiner Raubsalmler der Gattung Hoplias. Diese Tiere gingen uns fast in jedem Biotop als Jungfische ins Netz. Sie liegen meinstens lauernd auf Beute am Boden. Das Gebiss lässt erkennen, auf welche Weise sich das Tier ernährt. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Außer den erwähnten Salmlern fingen wir noch einen Wels aus der aquaristisch wenig bekannten Familien der Trichomycteridae. Diese auch als „Schmerlenwelse“ bezeichneten Tiere erinnern in der Tat an Schmerlen. Sie leben oft versteckt und teilweise eingegraben. Auch parasitische Vertreter gibt es darunter. Ein Vertreter der Callichthyidae (Schwielenwelse) rundete den Fang ab.
Trichomycterider Wels aus der Nähe von Cobija

Ein kleiner trichomyterider Wels ging uns auch ins Netz. Diese Tier sind länglich und meist sehr wenig beschuppt, was es nicht leicht macht, sie zu fassen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Ein weiterer sehenswerter Biotop befand sich ungefähr 20 Kilometer südlich von Cobija nahe der kleinen Ortschaft Porvenir wo die Straße in den Süden beim Ortseingang einen kleinen Fluss überquerte. Auf den ersten Blick sah dieser Fangplatz sehr unattraktiv aus: Ein großer Waschplatz für Wäsche oberhalb der Brücke, an dem auch mehrere Frauen mit ihren Kindern die Wäsche wuschen, sowie unterhalb der Brücke ein weiterer großer Waschplatz für Autos. Natürlich ohne Ölabscheider und sonstige sinnvolle Einrichtungen auf die wir heutzutage vernünftigerweise achten. Die Stelle machte zunächst nicht den Eindruck eines interessanten Biotops.
Waschplatz vor Porvenir im Süden von Cobija

Ein Waschplatz an der Straße von Cobija nach Porvenir lud zum Fischefangen ein. Im Hintergrund sieht man mehrere Palmen (Mauritia flexuosa), die oft weiches und saures Wasser anzeigen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Umso mehr überrascht waren wir, als wir in diesem kleinen Fluss, der nach Süden in den Rio Tahuamanu hin entwässerte, Apistogramma fangen konnten. An dieser Stelle kamen besonders viele Apistogramma rubrolineata vor, eine Art, die erst einige Jahre vor unserem Besuch von einer Gruppe um den Dresdener Biologen Axel Zarske beschrieben werden konnte. Auch die Tiere, die der Beschreibung zugrunde lagen, kamen aus dem Einzugsgebiet des Rio Manuripi, einem Nebenfluss des Tahuamanu.
Apistogramma luelingi

Unverhofft ging uns auch Apistogramm luelingi ins Netz. Hier ein Männchen aus einem Aquarienstamm, den ich vor mehren Jahren gepflegt hatte. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, Berlin)

Aber auch zwei weitere Apistogramma-Arten gingen uns, wenn auch nur in wenigen Exemplaren, ins Netz: Apistogramma luelingi und Apistogramma linkei. Während das Vorkommen von Apistogramma luelingi viel weniger überraschend war, überraschte Wolfgang doch das Vorkommen von Apistogramma linkei so weit nördlich in Bolivien.
Übersicht über den Waschplatz vor Porvenir im Süden von Cobija

Eindrücke vom Waschplatz an der Straße von Cobija nach Porvenir. In der oberen Reihe der Zulauf aus einem Waldgebiet (oben links) und der Ablauf nach Süden (oben rechts) mit unter Wasser stehendem Gras, in dem wir viele Fische erbeuten konnten. In der unteren Bildreihe der Überblick über den Waschplatz für die Autos. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

In diesem Biotop fing ich unter anderem einen Salmler, der mich im ersten Moment an einen Schlusslichtsalmler erinnerte, möglicherweise Hemigrammus neptunus dessen Typusfundort 100 km weiter östlich liegt. Die Beschreibung der Art findet sich hier.
Hemigrammus neptunus

Ein Salmler, der mich an eine Schlusslichtsalmler erinnerte und möglicherweise Hemigrammus neptunus sein könnte. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Diese Art brachte ich mit und konnte sie auch mehrfach nachzüchten. Die in der Beschreibung erwähnten Schulterflecken und den Längsstreifen konnte ich nicht im Bild festhalten. Echte Farbwunder, die stets nachgefragt wurden!
Hemigrammus neptunus im Aquarium

Da hilft auch keine Bildbearbeitung. Sie bleiben im Aquarium bis auf das rote Auge recht blass. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Eine weitere Fischart, die ich dort fangen konnte, war Pyrrhulina vittata, eine Art, die ich für farblich und vom Verhalten her für besonders – ohne Sarkasmus – attraktiv halte. Diese Fische zeigen im dortigen Biotop eine Besonderheit in der Zeichnung: Kurz hinter dem Kiemendeckel befinden sich zwei auffällige rote Flecken, die Fische aus anderen Gebieten Boliviens nicht besitzen. Tiere mit dieser auffälligen Zeichnung waren auch schon in den Jahren zuvor aus dem nicht weit entfernten peruanischen Gebiet um Puerto Maldonado nach Deutschland gekommen.
Pyrrhulina vittata

Anders als die Populationen aus dem südlichen Bolivien zeigen die Formen von Pyrrhulina vittata aus dem nördlichen Bolivien und aus der Region von Puerto Maldonado aus Peru die attraktiven roten Zeichnungen im Kopfbereich hinter den Kiemendeckeln. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Schon beim Fang zeigte sich jedoch, dass die Tiere untereinander sehr unverträglich sind. Es war mir nur möglich die Tiere zu transportieren, wenn ich sie einzeln in kleine Gefäße verpackte. Dazu noch im Dunkeln aufbewahrt hielten die Tiere die ganze Reise durch. Diese Art konnte ich auch im Aquarium nachzüchten. Im Aquarium machen vor allem die Männchen ganz schön was her. Das interessanteste am Verhalten ist meiner Meinung nach, dass die Männchen ein Revier verteidigen, dessen Zentrum ein geeigneter Laichplatz ist. Dieser Laichplatz sollte ein großes Blatt sein, welches sich im oberen Drittel des Aquariums befindet. Optimal ist es, wenn dieses Blatt von oben auch noch beschattet ist.

Wenn ein geeigneter Laichplatz gefunden ist, balzen die Männchen den ganzen Tag, um die Weibchen anzulocken. Sind diese dann laichbereit, folgen sie dem Männchen auf dem Blatt, wo dann abgelaicht wird. Nach dem Ablaichen werden die Weibchen vertrieben und das Männchen bewacht das Revier mit dem Gelege. Solange die geschlüpften Larven auf dem Platz liegen, geschieht ihnen nichts, wenn sie dann aber freischwimmen, werden sie auch vom Männchen als Nahrung angesehen. Es ist also keine echte Brutpflege, das Männchen erkennt die Larven nicht als seine Nachkommen.
Apistogramma rubrolineata

Männchen von Apistogramma rubrolineata im Aquarium … (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die Apistogramma luelingi und A. rubrolineata nahm Florian mit, ich selbst versuchte es mit einigen jungen Fischen von Apistogramma acrensis und A. rubrolineata, was auch ohne Ausfälle gelang.
Apistogramma rubrolineata Balz

… und Apistogramma rubrolineata bei der Balz am/im späteren Laichplatz. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die Tiere entwickelten sich in meinen Aquarien relativ gut. Glücklicherweise hatte ich beide Geschlechter gefangen und so stand auch eine Zucht nichts im Wege. Leider gingen beide Arten bei mir schon nach einer oder zwei Generation verloren. Wenn ich an die Nachzuchten von Apistogramma acrensis zurückdenke, so glaube ich, dass diese Art auch bei Züchtern ein großes Potenzial hätte, die auch unter Apistogramma-Freunden sehr beliebten Farbformen herauszuzüchten. Besonders die rote Wangenzeichnung der Männchen (und zum Teil der Weibchen) ist sehr attraktiv.
Apistogramma acrensis

Apistogramma acrensis im Aquarium. Obere Reihe Männchen, untere Reihe Weibchen. Die Tiere entwickleten im Aquarium eine beeindruckende und attraktive Kiemenzeichnung. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wir brachen am späten Vormittag aus Porvenir auf, um – weiter über den Tahuamanu – in den Süden zu gelangen. Das Übersetzen war auf einer Fähre, abenteuerlich aus Fässern und Baumstämmen zusammengesetzt und mit Hilfe eines Motorbootes über den Fluss geschoben, möglich.
Mücken und Stiche

Das Wort “aktiv” hatten die kleinen Biester wohl ernst genommen. Am späten Nachmittag waren die Gnitzen extrem aktiv und liessen meinen Unterarmen keine Chance. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wieder im Hotel in Cobija angekommen (im besten Hotel im bolivianischen Einzugsbereich des Amazonas, so hatten wir die Werbeaussage interpretiert) sortierten und versorgten wir unsere Fische in der Dusche des Zimmers und machten die ersten Aufnahmen. Glücklicherweise hatte das Hotel eine Klimaanlage, so dass wir die Zimmertemperatur auf ungefähr 25 °C einstellen konnten. Die Lufttemperatur in Cobija selbst betrug bis zu 35 Grad, was den Fischen aus den relativ kühlen Urwaldbächen wohl nicht besonders gut bekommen wäre.

Richtung Osten …

Am nächsten Tag ging es in Richtung Osten. Über weite Strecken begleiteten uns ausgedehnte Viehweiden mit wenig ursprünglicher Vegetation dafür umso stärker erodierten Böden. Nach der ersten Hälfte des Weges in Richtung Riberalta zeigte uns schon von weitem ein kleiner Wald von Mauritia flexuosa-Palmen, ein untrügliches Zeichen für leicht saures Weichwasser beziehungsweise sogar Schwarzwasservorkommen, ein möglicherweise interessantes Gewässer.
Mauritia Gewässer

Ich war wohl nicht schnell genug. Bevor ich nach dem vorsichtigen Herantreten und Beobachten die Kamera geholt hatte, war das Gewässer schon ordentlich durchwatet worden und wurde vom Klarwasser zum Weisswasser gemacht. Interessante Salmler fand ich trotzdem. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Tatsächlich gab es dort einen kleinen Bach, der in einem Rohr unter der Straße durchfloss und in dem kleinen Gewässer mit den Palmen mündete. Schon vom Auto aus sah man große Schwärme kleiner Salmler in einem ausgespülten Kolk hinter dem Rohr. Ein schneller Kescherzug mitten in den Schwarm brachte um die 200 dieser kleinen Salmler und entschädigte für die Bisse der hartnäckigen kleinen Fliegen.
Kleiner Palmenbiotop

Ein paar Impressionen des beschriebenen Biotops. Die meisten Bereiche werden extensiv für Viehweiden genutzt. Unten rechts der besagte Durchlass des Baches unter der Straße. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Nachdem ich einige Tiere in das mitgenommene Transportgefäß gegeben hatte und genauer inspiziert hatte, wollte ich sie schon wieder freilassen, da ich sie für Jungfische einer Astyanax-Art hielt. Wolfgang riet mir aber, doch ein paar der Fische mitzunehmen, was sich dann auch tat. Seiner Meinung nach wies die Ähnlichkeit in Größe und Aussehen sowie die Tatsache, dass einige Tiere etwas dünner und andere dicker waren, darauf hin, dass die Art schon ausgewachsen war. Er sollte Recht behalten.
Kleiner Salmler aus Mauritia Gewässer

So sehen sie aus. Bis heute weiss ich nicht, welche Art das ist. Wer einen Hinweis hat, möge mich per E-Mail kontaktieren. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die knapp 20 mitgenommenen kleinen Salmler, sie waren nur so um die 15 Millimeter lang, erwiesen sich als sehr robust. Sie besitzen keine Fettflosse und zeigen dauerhaft einen dunklen Längsstrich. Von dieser Art hatte ich, obwohl ich sie drei Wochen lang in relativ kleinen Gefäßen quer durch Bolivien mitschleppte, keinen einzigen Verlust. Eine morgendlicher und abendlicher Wasserwechsel waren dabei natürlich obligatorisch. Auch in meinen Aquarien lebten sich die scheuen Tiere relativ gut ein, waren allerdings in der Zucht zunächst sehr heikel. Nach wie vor bin ich mir nicht darüber im Klaren, um welche Art es sich eigentlich handelt. Einen kleinen Bestand dieser Salmler konnte ich bis 2012 durch Nachzucht in meinen Aquarien erhalten.
Kleiner Salmler aus Mauritia Gewässer Übersicht

So habe ich sie nachgezogen. In einem typischen Salmlerzuchtbecken mit Versteck und gelochtem Boden, damit die Eier durchfallen und nicht gefressen werden können. Und ich hatte Erfolg, zumindest ein paar Jahre lang. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die Tiere sind sehr attraktiv, werden maximal 18 bis 20 Millimeter groß, und sind aufgrund ihrer versteckten Lebensweise (selbst in einem größeren Aquarium leben sie eher versteckt und zeigen nicht mehr das Schwarmverhalten, welches ich in der Natur beobachten konnte) auch für kleinere Aquarien geeignet.
Biotope im Osten

Typischer Biotop im Osten. Zwischen den erodierten Viehweiden finden sich ab und zu kleine Bäche, die aus Waldstücken kommen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Im weiteren Verlauf der Tagesexkursion kreuzten wir noch weitere kleine Wasserläufe, die in kleinen Waldstücken ihren Ursprung hatten, einige davon in Sumpfgebieten mit relativ hohen Farnbeständen. Die weitaus meisten dieser Gewässer waren relativ gut zugänglich, so dass wir sie auch nach Möglichkeit befischten.
Sebastian inspiziert die Speisefische

Speisefische oder Zierfische? Gespannt verfolgt Sebastian, unser Fahrer, den Fang der Fische. Sind sie groß genug, nimmt er sich mit fürs Abendessen nach Hause. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Unser Fahrer Sebastian, der am vorherigen Tag noch staunend und kopfschüttelnd über unsere Tätigkeit geschmunzelt hatte, hatte sich einen Behälter mitgebracht, indem er fleißig die „großen“ Fische einsammelte, um sie für seine Familie zum Abendessen mit nach Hause zu nehmen. Diese Mischung aus Astyanax, Crenicichla, Welsen und Messerfischen dürfte für eine Fischsuppe sehr interessant sein.

Richtung Westen …

Am dritten, unserem letzten Exkursionstag in Cobija unternahmen wir eine Exkursion nach Westen in Richtung Peruanische Grenze. Erstaunlich war, dass selbst unser Fahrer noch nicht in diesem Gebiet gewesen war. Gott sei Dank hatten wir halbwegs brauchbare Karten, anhand derer wir mit Hilfe unseres Fahrers, der sich bei Zweifeln durchfragte, halbwegs orientieren konnten. Die Straße war eine Piste, die erst vor kurzem neu angelegt worden war. Über weite Strecken sahen wir nur Viehweiden sowie ab und zu auch kleinere oder größere Viehherden, die noch von Cowboys mit Pferden gehütet wurden und ein paar kleine Wasserläufe, die durch den Bau der Straße aufgestaut waren.
Cowboys im Westen

Die großen Rinderherden im Norden von Bolivien brauchen aufgrund des kargen Bodens viel Platz und werden von Cowboys zusammengetrieben. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wolfgang nutzt wieder seine bewährte Fangtaktik, um im Uferbereich Apistogramma zu fangen. Er stellte sein Netz ein knappen Meter vom Ufer entfernt ins Wasser und trat am Ufer ins flache Wasser, worauf die Fische in Richtung tieferes Wasser flüchteten und zu einem großen Teil im Netz landeten. Eine recht effektive und schonende Fangtechnik.

Interessanterweise fuhren wir genau auf der Wasserscheide zwischen dem Rio Acre, der letztendlich in den Rio Purus mündet und dem Madre de Dios, der in den Rio Madeira entwässert. Bäche die in nach Norden entwässerten, wiesen vor allem Apistogramma acrensis, Bäche, die in den Tahuamanu entwässerten, vor allem Apistogramma rubrolineata auf. Im Nachhinein ärgere die ich mich (und war dabei nicht alleine) darüber, dass wir uns am Anfang so lange an den kleinen Bächen aufhielten, deren Fauna letzten Endes identisch war. In der Nähe eines Dorfes machten wir eine kurze Rast. Dort konnte ich eine Menge Insekten, vor allem Schmetterlinge, fotografieren, die aus der feuchten Asche einer Feuerstelle die wichtigen Ionen aufnahmen.
Feuerstelle mit Schmetterlingen

Ionen sind Mangel und auch Insekten nutzen jede Möglichkeit, an die kostbaren Salze zu kommen. Hier saugen sie das ionenreiche Kapillarwasser aus dem Boden einer Feuerstelle. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Im Verlauf des Nachmittags erreichten wir einige größere Bäche deren Zuflüsse wohl direkt aus einem größeren Waldgebiet von der peruanischen Grenze her entwässerten. In den größeren Bächen fanden wir Farlowella, einige Rineloricaria und auch Corydoras, von denen wir jedoch nur zwei Tiere fangen konnten. Sie sahen unseren Corydoras aeneus bzw. den Fischen, die wir in der Aquaristik so nennen, relativ ähnlich. Leider waren es zwei Männchen, so dass mit einer Zucht der gut mit nach Hause gekommenen Tiere, nicht viel zu machen war.
Welsbiotop im Westen

Spät am Nachmittag erreichten wir einen interessanten Biotop mit größeren Holzstücken, aus dem wir ein paar Welse fangen konnten. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Am späten Nachmittag, unser Fahrer wurde schon nervös, machten wir noch einen kurzen Halt an einem Biotop an den wir auch kleine ancistrine Welse fangen konnten. Indem ich Holzstücke schnell aufhob und in meinen Kescher schüttelte, gelang es mir, insgesamt fünf der relativ kleinen, nur acht bis neun Zentimeter langen Ancistrus sp. zu erbeuten. Aufgrund der Kopfbeborstung vermutete ich sogar, beide Geschlechter zu haben.
Welse aus dem Biotop im Westen

So sehen sie aus. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Leider überlebten diese Tiere den Transport nach Hause nicht, da mein Koffer erst mit einem Tag Verspätung und zudem noch stark beschädigt in Berlin ankam. Ein anderes schweres Gepäckstück, hatte wohl den Koffer an einer Ecke so stark eingedrückt, dass unter anderem das Gefäß mit diesen Fischen beschädigt wurde, so dass die fünf Tiere auf dem Transport leider verstorben waren.

Die Fische des letztes Tages nahmen wir bis auf die Panzerwelse und ancistrinen Harnsichwelse nicht mehr mit, da wir sie nach dem Fotografieren nicht mehr aussetzen hätten können.
Crenicichla

Weitere in der Gegend um Cobija gefangene und in der Fotoküvette fotografierte Fische. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Zurück nach Trinidad

Nachdem wir die gefangenen Tiere verstaut hatten, machten wir uns am nächsten Tag zum Flugplatz auf. Mit einem letzten Blick über das dunstige Cobija und den Rio Acre nahmen wir Abschied, um – über Trinidad als Dreh- und Angelpunkt im Beni – nach Los Lagos zu reisen. Dort sollten die Möglichkeiten, Fische in der Natur und unter Wasser zu beobachten ungleich besser als in der Gegend um Cobija sein …

… wird fortgesetzt …

Bolivien - Fische und Biotope der Seen von Los Lagos

Die drei Klarwasserlagunen von Los Lagos im zentralen Amazonastiefland der bolivianischen Provinz Beni, zwischen den beiden größeren Lagunen „Laguna Roja Aguada“ im Westen und der „Laguna Gisebra“ im Osten gelegen war, sind ein lohnenswertes Ziel zur Beobachtung von Fischen in deren Biotopen.

Dort kann man in einer Lodge direkt am See bzw. der Lagune unterkommen. Die Lodge ist mit einem eigenen Landeplatz für Flugzeuge, einem direkt am See gelegenen Bootssteg und zwei Booten ausgestattet. Im oben verlinkten Luftbild kann man rechts oben neben der Lodge die vier Hütten am See erkennen. Ich hoffe, im folgenden Artikel zusammen mit den Bildern und besonders den Videos (in recht alter Technologie vor über 12 Jahren aufgenommen) einiges von den dortigen Eindrücken vermitteln zu können.

Anreise

Der Hinflug mit einer kleinen Cessna erfolgte bei relativ guter Sicht, die „nur“ von dem zu dieser Zeit allgegenwärtigen Rauch in der Luft etwas getrübt wurde. Wenn ich gleich im Video etwas besorgt aussehe, dann, weil die Flugzeuge natürlich sehr überladen sind und die Piloten neben einem GPS vor allem ein wichtiges Utensil, einen Rosenkranz verwenden. Meine Erfahrung war, dass die intensive Verwendung des Rosenkranzes mit der Unerfahrenheit der Piloten korreliert.

Der Rauch, der die Sicht selbst in geringer flughöhe doch recht trüb macht, kam von den Bränden, die im ausgetrockneten Land kurz vor dem Beginn der Regenzeit überall im Amazonastiefland zu sehen waren. Der Flug ging von Trinidad über Viehweiden, Steppen, aber auch über größerer Trockenwaldstücke und Galeriewälder, welche die vielen Flüsse und stehenden Gewässer säumten. Selbst aus dem Flugzeug ließ sich am geringen Wasserstand der Flüsse erkennen, dass Trockenzeit herrschte.
Trockenzeit in Boliviens Flüssen

Beim Flug über die Flüsse im Tiefland von Bolivien zeigen die Flüsse am Ende der Trockenzeit einen sehr niedrigen Wasserstand. Die Fischdichte, das Verhältnis von Fischen zu Wasser, wird also größer. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Der Wasserstand der Flüsse war zu dieser Zeit um mehrere Meter gesunken. Das ist jedoch völlig normal, der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt in dieser Gegend zwischen fünf und zehn Meter. Er wird – wie bei uns – vom Einzugsgebiet, dem Gefälle und von der Überschwemmungsfläche bestimmt, die der Fluss bei Hochwasser einnehmen kann. An einigen Flüssen im brasilianischen Amazonas-Tiefland weiter im Norden kann dieser Pegelunterschied sogar bis zu 17 Meter, also ungefähr die Höhe eines fünfstöckigen Hauses erreichen.
Blick von der Lodge auf den See in Los Lagos

Blick von der Terrasse der Lodge über den See. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Bei unserer Ankunft in Los Lagos war ich vollkommen überrascht: Luxus pur am Ende der Welt, jedoch nur mit dem Flugzeug zu erreichen. Aber auf jeden Fall einen Besuch wert! Die Lodge mit einigen Hütten und Häusern liegt, mit eigener Landepiste versehen, recht nahe am See. Einige der für Besucher reservierten gut ausgestatteten Hütten liegen relativ abgelegen von den Versorgungsgebäuden direkt am Seeufer, so dass man dort die überaus reiche Vogelwelt des Sees beobachten kann. Wir wählten den Mittelweg und nahmen in den Hütten nahe am Hauptgebäude in der Nähe des Stegs Quartier.
Die Lodge von Los Lagos

Eindrücke von der Lodge. Vieles nutzt man als Aquarianer sicher gar nicht. Wer braucht zum Beispiel einen Pool, wenn er im sauberen klaren See direkt mit Fischen schwimmen kann? (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Vom Steg aus kann man im Flachwasserbereich relativ gut Fische und vor allem die überaus sehenswerte aquatische Vegetation erkunden. Da der Steg nicht sehr oft genutzt wird, kann sich diese Vegetation weitgehend ungestört entwickeln. Vom Steg aus hat man auch einen Blick weit über den See. Mit etwas Glück kann man auch Süßwasserdelfine beobachten.
Eindrücke vom Steg

Ein paar Bilder vom Steg. Die aquatische Vegetation beeindruckt … zur Trockenzeit auch mit Blüten. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Biotope in Los Lagos

Schon am ersten Tag in Los Lagos machten wir uns mit dem Boot in Richtung zu einer Bucht im Osten der Lodge auf, die Wolfgang schon in den Jahren vorher besucht hatte. Diese Bucht mündet, wie man den Landkarten entnehmen kann, in der Regenzeit in einen relativ schmalen Ablauf des Sees. Dort wollten wir Fische beobachten und gegebenenfalls auch fangen. Das Fangen direkt im See war nun etwas ganz anders, als ich es von meinen bisherigen Reisen gewohnt war. Den besten Eindruck zeigt vielleicht das folgende kurze Übersichtsvideo.

Bisher hatte ich noch nie von einem Boot aus Fische gefangen, was einige anfängliche Übungen nötig machten. So ist es nicht ganz einfach, mit Taucherbrille und Schnorchel im freien Wasser ohne Bodenkontakt nur auf dem Rücken schwimmend einen Kescher mit Fischen zielsicher in ein ebenfalls schwimmendes Gefäß auszuleeren. Aber nach einiger Übung funktionierte das ganz gut.
Nannostomus trifasciatus

Die in Los Lagos vorkommende Variante von N. trifasciatus. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Verschiedene Arten der Familie der Schlanksalmler (Lebiasinidae), eine Fischgruppe, die es mir ganz besonders angetan hatten, fanden sich zu meiner Freude ebenfalls in Los Lagos. Die kleinen Bleistiftsalmler der Gattung Nannostomus fanden sich in kleinen Gruppen ständig nach Futter suchend im Bereich der Ufervegetation und Pflanzenbestände ein. Diese interessanten Salmler kommen sehr weit verstreut auf dem südamerikanischen Kontinent vor. Möglicherweise verstecken sich mehrere Arten dahinter. Interessant ist die kontrastreiche Nachtfärbung der Tiere, die man im Aquarium ein paar Stunden nach dem Lichtausschalten beobachten kann.
Nannostomus trifasciatus

Die Zeichnung der Salmler bei Nacht bzw. ein bis zwei Stunden nach dem Abschalten der Beleuchtung weicht deutlich von der Tageszeichnung ab. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Anders als an den Stellen im See, die wir noch im Verlauf unseres weiteren Aufenthaltes besuchen sollten, grenzten die steil bis auf eine Tiefe von zwei bis drei Metern abfallenden Ufer der oben genannten Bucht direkt an festes Land, so dass die Ufer mit der ausgeprägten Wurzelschicht der Uferbäume bedeckt waren. Diese Wurzelschicht beherbergte eine unglaubliche Vielzahl von Fischen, die sich aber bei unserem Annähern leider sehr schnell in die dichte Vegetation zurückzogen, so dass die Geduld des Beobachters doch stark strapaziert wurde.
Wurzeln der Uferbäume

Die Wurzeln der Uferbäume reichen an einigen Stellen bis ins tiefere Wasser. Diese Bereiche werden von Fischen als Verstecke und zur Nahrungssuche genutzt. Hier weidet eine kleine Gruppe von Nannostomus trifasciatus die Vegetation ab. Man muss schon gut hinsehen, um die kleinen Tiere in der Bildmitte überhaupt zu sehen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Am besten waren die Fische zu beobachten, wenn man sich ein paar Minuten schnorchelnd ohne viel zu bewegen unter der Wasseroberfläche auf die Lauer legte. Besonders interessant waren die Salmler der Gattung Nannostomus, die in kleinen losen Gruppen von fünf bis fünfzehn Tieren umherzogen und pickend die Vegetation und die Wurzeln abweideten. Wir konnten zwei Arten identifizieren, die zum Teil auch in gemischten Gruppen vorkamen. N. trifaciatus ist im obigen Bild zu sehen. N. unifasciatus war seltener, oft waren sogar einzelne Tiere in Gruppen von N. trifasciatus zu finden.

Die anderen Stellen, die wir am See aufsuchten, waren von einem allmählich flacher werden Ufer gesäumt. An wenigen Stellen, so auch im Bereich der Lodge, konnte man im seichten Wasser bequem bis ans Ufer laufen. Über irgendwelche Gefahren machten wir uns keine großen Gedanken. Selten bekamen wir zwar Kaimane zu sehen, aber diese flüchteten sehr schnell. Nur abends gelang es uns, kleine und halbwüchsige Exemplare zu fotografieren.
Ein halbwüchsiger Kaiman am Steg

Dieser halbwüchsige Kaiman wurde nach Einbruch der Dunkelheit am Steg der Lodge fotografiert. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Schwimmende Wiesen

Die schwimmenden Wiesen fassen die Ufer der Lagune in einem relativ breiten Saum ein. Sie bestehen aus einer 30 bis 60 cm dicken Vegetationsdecke, die neben Wasser- und Sumpfpflanzen aus verschiedenen Grasarten und sogar kleinen Büschen besteht. Dort wachsen aber auch, besonders im Bereich der Randzonen bzw. der Grenzen zu den Freiwasserzonen, sehr viele verschiedene Wasser- und Sumpfpflanzen, so zum Beispiel auch die im Aquarium nicht immer einfach zu kultivierende Eichhornia azurea. Es sieht schon sehr kurios aus, wenn man unter Wasser die aus den Aquarien bekannten submersen Formen der Pflanzen beobachtet und über Wasser die emerse Vegetationsform sehen kann. Das Wurzelgeflecht der Pflanzen, die diese schwimmenden Wiesen bilden, reicht teilweise zwei bis drei Meter tief ins Wasser hinein.
Kanäle durch die schwimmenden Wiesen

Ein Blick über einen breiteren Kanal. Im Vordergrund sieht man submerse Vegetation, die bis an die Waseroberfläche reicht. Die schwimmenden Wiesen im Hintergrund lassen sogar kleine Bäume gedeihen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wenn man das erste Mal am Rand einer schwimmenden Wiese schnorchelt – es gibt auch relativ schmale aber tiefe Kanäle durch diese schwimmenden Wiesen, auf denen man sich relativ komfortabel auch mit einem größeren Boot fortbewegen kann – sieht dieser Rand aus wie ein steiles Ufer. Dort, wo keine Pflanzen überhängen und die Sonne relativ ungehindert in das sehr klare Wasser eindringen kann, findet man bis ungefähr in drei Metern Tiefe eine üppige submerse Vegetation.

Diese Vegetation ist allerdings nicht überall in den Kanälen so üppig ausgeprägt, so dass ich vermute, dass sich im Randbereich der Seen oder im Bereich einige Kanäle relativ mächtige Quellen auf dem Seegrund befinden, die auch die für die Pflanzen wichtigen Nährstoffe ins Wasser einbringen. In einigen Bereichen dieser Kanäle empfanden wir beim Schnorcheln bzw. Tauchen das Wasser im Vergleich zu anderen Zonen als sehr kühl, was ebenfalls auf Quellen hindeuten könnte.
Schwimmende Wiesen

Blick von einem der ufernahen Kanäle auf das “Ufer” einer schwimmenden Wiese. Der Übergang ist bisweilen sehr abrupt. Die Vegetation sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier kein festes Ufer befindet. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Im Bereich der Ufer konnten wir eine Vielzahl von Fischen ausmachen. Ein Video zeigt sicher am besten, wie der Eindruck unter Wasser aussieht. Die submerse Vegetation bestand hier vor allem aus ausgedehnten Beständen von Mayaca und Cabomba. Besonders die Mayaca wiesen in einigen Bereichen hübsche rote Triebspitzen auf. Besonders auffällig waren auch die langen submersen Triebe von Eichhornia azurea. Diese Pflanzen bildeten an einigen Stellen im See ausgedehnte flutende Bestände unter denen sich auch mehrere Fischarten aufhielten.
Eichhornia azurea von unten gesehen

Blick von unten auf einen Trieb von Eichhornia azurea. Die verzweigten Triebe bieten gute Versteckmöglichkeiten für Fische. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Ebenfalls weiter draußen im See, möglicherweise in flacheren Bereichen .. wir haben das nicht genauer überprüft – fand man ausgedehnte Bestände von Potamogeton, einem Laichkrautgewächs. Ab und zu waren auch die hübschen schwimmenden Rosetten von Ludwigia sedioides zu sehen, die stark an die in Europa heimische Wassernuss Trapa natans erinnert. Die Wassertemperatur betrug im Bereich der Kanäle 26 bis 29°C, in flachen Randbereichen auch ohne weiteres einmal bis 33°C.
Schwimmblattvegetation

Schwimmblattvegetation. Diese bisweilen sehr ausgedehnten Bestände einer Potamogeton-Art traten teilweise weit vom Ufer entfernt auf. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wenn man vom Boot aus in das Wasser unmittelbar über den schwimmenden Wiesen fasste, so war dieses schon unangenehm warm, geschätzt betrug die Temperatur hier 38 bis 40°C. Umso verwunderlich war es, dass sich selbst an diesen sehr warmen Stellen noch Fische aufhielten, wie zum Beispiel ein kleiner Bodensalmler, den ich zunächst für ein Jungtier einer größer werdenden Bodensalmlerart hielt. Einige der attraktiven kleinen Tiere konnte ich mitbringen, allerdings waren sie sehr heikel und nahmen nur kleinstes lebendes Futter. Sie wuchsen innerhalb von drei Monaten kaum mehr, so dass ich davon ausgehe, dass sie mit ca. 14 bis 16 mm ausgewachsen waren.
Bodensalmler

Diese kleinen Bodensalmler fischte ich direkt von der Oberfläche einer schwimmenden Wiese ab. Das Wasser war dort sehr warm. Die Tiere waren mit 14 bis 16 mm offenbar ausgewachsen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Innerhalb der Kanäle kamen verschiedene Fischarten vor. Große Cichliden, wie z. B. Cichla und große Salmler, wie Acestrorhynchus, stellten die Räuber, die sich von anderen, kleineren Fischarten ernährten. Flaggenbuntbarsche (Mesonauta sp.) patrouillierten in den Randbereichen der schwimmenden Wiesen besonders unter Eichhornia azurea. Mesonauta waren die allgegenwärtigen Cichliden, die kurz unter der Oberfläche oft in kleineren Gruppen zusammenstanden, manchmal fand man sie auch alleine. Wenn man sich mal eingesehen hatte, sah man die Tiere überall.
Mesonauta

Die Flaggenbuntbarsche der Gattung Mesonauta fanden wir sehr häufig im Uferbereich der schwimmenden Wiesen, wo sie unter der Vegetation Schutz suchten. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Etwas tiefer, meistens in Verbindung zum Ufer beziehungsweise zur Vegetation fanden sich große Cichla und Crenicichla, die dort ihre Reviere hatten. Wimpelpiranhas (Catoprion mento), die sich, wenn es die fehlenden Nahrungsressourcen nötig machen, auch von Schuppen anderer Fische ernähren können, schwammen alleine oder in kleinen Gruppen durch die lichten Cabomba-Bestände der Kanäle. Nur sehr selten gelang es, ein kleineres Exemplar zu fangen.
Cichla

Die Buntbarsche der Gattung Cichla werden sehr groß. Hier ein Paar in der Nähe seines Geleges in ca. 3 Meter Wassertiefe. Die ausgewachsenenTiere sind sehr kontrastreich gefärbt. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Cichla, die größte dort vorkommende Buntbarschgattung, trat ausgewachsen meistens in Paaren auf. Teilweise konnte ich auch Gelege finden, die aus einer großen Anzahl von weißlichen Eiern bestanden. Selbst bei der Bewachung der Brut zeigten die Tiere eine relativ große Fluchtdistanz, so dass ich nie näher als drei oder vier Meter an die Gelege herankommen konnte, bevor die Tiere flüchteten.

Tiere mit einer Größe von 20 bis 30 cm traten oft in Schulen von 15 bis 40 Tieren auf. Deutlich zutraulicher und neugieriger als erwachsene Paare umkreisten mich solche Schulen manchmal, was ein ganz fantastischer Anblick war.
Cichla zum Essen

Die Buntbarsche der Gattung Cichla schmecken auch sehr gut. Hier wurden einige halbwüchsige Exemplare für die Pfanne oder den Grill geangelt. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Schuppen fressen?

Dass Wimpelpiranhas (Catoprion mento) sich von Schuppen ernähren, wurde oben schon erwähnt. Die Ernährungsweise und die besondere Form des Kiefers wurde vor einiger Zeit näher wissenschaftlich untersucht. Die Fische erwiesen sich als besonders geschickt darin, mit vorgestülptem Unterkiefer Schuppen von den Seiten anderer Fische abzureißen. Das ungewöhnliche Fressverhalten erlaubt es den Fischen auch bei sehr geringem Nahrungsangebot eine natürliche nachwachsende Nahrung, nämlich die Schuppen anderer Fische, als Energiequelle zu verwerten. Man darf sich dieses Schuppenfressen nicht etwa wie Fingernägelkauen vorstellen, das zwar eine Beschäftigung darstellt, aber letzten Endes nicht nahrhaft ist.
Wimpelpiranha

Der Wimpelpiranha kam zu unserer Verwunderung auch in Los lagos vor. Hier ein Exemplar in der Küvette. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Fische können vielmehr aus stark stickstoffhaltigen Nahrungsbestandteilen, wie zum Beispiel dem Guanin in den Schuppen noch sehr viel Energie gewinnen, da sie dazu in der Lage sind, diese Stickstoffbestandteile bis hin zum sehr energiearmen und wasserlöslichen Ammoniak zu verwerten. Das Ammoniak wird dann als Stickstoffendprodukt direkt über die Kiemen in das Wasser abgegeben. Aus den Schuppen anderer Fische können die Wimpelpiranhas also immer noch genug Energie gewinnen, um in Notzeiten zu überleben.

Apistogramma

Zwergbuntbarsche aus Südamerika wecken ebenfalls mein Interesse. Auch in Los Lagos fanden sich Apistogramma in großer Zahl, wenn auch nur in einer Art. Wolfgang Staeck, der schon mehrfach diesen See besucht hatte, fing dort mehrere Tiere, die bis vor mehreren Jahren unter dem Namen Apistogramma sp. „Mamoré“ im Hobby bekannt waren und mittlerweile, im Jahre 2008, von Staeck und Schindler unter dem Namen Apistogramma erythrura beschrieben wurden.
Apistogramma erythrura

Ein Männchen von Apistogramma erythrura aus Los Lagos kurz nach dem Fang in der Fotoküvette. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Diese in der Färbung sehr variable Art kam überall im See vor und zeigte im Bereich der schwimmenden Wiesen ein interessantes Verhalten: Versuchte man, die Tiere mit dem Netz unter Wasser zu fangen, so tauchten diese nicht etwa ab, sondern wichen nach oben aus und sprangen oft sogar aus dem Wasser. Dieses Verhalten zeigten die Tiere aus dem Bereich der schwimmenden Wiesen auch noch mehrere Monate später im Aquarium, wenn sie erschreckt wurden. Eine außergewöhnlich hohe Individuendichte erreichten die Tiere in den Lagunen, die an festes Ufer grenzten.

Für die Freunde größerer Buntbarsche empfehle ich die Gattung Heros, über die es auch eine neuere Monographie gibt. Diese Tiere sind für mich, seit ich sie in Los Lagos mehrfach länger beobachten konnte, sehr interessant. Allerdings passen sie von der Größe her leider nicht so gut in meine kleine Aquarien.

Weitere Salmler

Aphyocharax rathbuni, ein in der Aquarisitk nicht unbekannter und seit vielen Jahren im Zoofachhandel anzutreffender Salmler, war in wenigen Exemplaren im Gestrüpp der schwimmenden Wiesen anzutreffen. Die aussergewöhnlich intensive Färbung hält allerdings nicht lange vor. Gefangene Fische verloren das herrliche Grün und Rot schon nach einem Tag. Aber trotzdem machte die Begegnung mit der Art mal wieder Lust auf die Haltung.

Apropos Farbe: Die Farben von Fischen verblassen schon nach wenigen Metern, selbst im glasklaren Wasser, was mit der selektiven Farbabsorption von Wasser zu tun hat. Umso wichtiger sind starke Kontraste, die einigen Fischarten halfen, sich auch im trüberen Wasser zu finden. Zwei Beispiele von Kontrasten finden sich im folgenden Video. Hier sieht man die Wichtigkeit von starken Kontrasten zwischen hellen und dunklen Zeichnungselementen bei den beiden Salmlergattungen Thayeria und Hemiodus, die auch im tieferen Wasser und auf größere Distanzen noch gut sichtbar sind.

Hyphessobrycon elachys hatte Wolfgang schon ein paar Jahre zuvor in Los lagos nachgewiesen und darüber auch im BSSW-Report berichtet. Die Art kommt in einer relativ großen Verbreitung vor und bildet kleine Unterschiede in der Zeichnung und der Körperform aus. Dieser kleine Salmler bildet in Los Lagos sehr große Gruppen, die man aber nicht als Schwarm bezeichnen sollte. Diese geschätzt bis zu 500 Individuen enthaltenden Gruppen halten sich bevorzugt in einem Bereich von ungefähr vier bis acht Metern direkt an den Kanten der schwimmenden Wiesen auf. Einzelne Männchen besetzen ab und zu Reviere, in die sie balzend versuchen, die Weibchen aus der Gruppe anzulocken.

Einen attraktiven Salmler mit schön gezeichneter Schwanzflosse, der an den Bassamsalmler, Hemigrammus marginatus, erinnerte, nahm Jürgen mit. Obwohl er diese Fische auch nachzüchten konnte, machen die Tiere in der F2 Schwierigkeiten und sind deshalb wohl zunächst für das Hobby verloren gegangen.
Hemigrammus cf. marginatus

Ein fast ausgewachsenes Exemplar von Hemigrammus cf. marginatus kurz nach dem Fang in der Fotoküvette. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die wenigen Tage in Los Lagos vergingen mit Schnorchel und Tauchen in glasklaren weichen Wasser wie im Fluge und nach einem letzten Frühstück machten wir uns am 15. September mit dem Flugzeug zu unserem letzten Ziel auf: zum Rio San Martin im Osten Boliviens.