Ein Wunschfisch …

Hyphessobrycon heterorhabdus gehörte seit meiner Kindheit auf die Wunschliste von Fischen. Seit ich im Alter von 14 Jahren die Art auf dem Einband eines kleinen Büchleins (Jocher 1968) gesehen hatte, wusste ich, dass ich diesen Fisch irgendwann einmal haben (und natürlich auch züchten) wollte. Ich gebe es ja zu, es war die Färbung der Tiere, die mich fasziniert hat. Nun bin ich ein recht geduldiger Mensch; keiner der „dringend“ irgendeine Art sucht und dafür hunderte von Kilometern zurücklegt. Oft löst sich das Problem überraschend ganz von allein, auch wenn es, wie bei H. heterorhabdus, mehr als zwanzig Jahre dauert.

Importgeschichte

Die Salmlerart wurde schon vor mehr als 120 Jahren beschrieben (Ulrey 1894). Aber erst gut vier Jahrzehnte später (Arnold 1939) wurde die Art in der Natur lebend gesammelt und für die Aquaristik verfügbar gemacht, obwohl H. heterorhabdus nach Aussagen von Eggeling schon um 1905 in Hamburg eingeführt worden sein soll (Eggeling 1956).

„Geradezu entzückt war ich von dem Anblick eines kleinen Tetragonopterus, von dem mir gelegentlich eines Besuches in Lankwitz zum Zwecke des Photographierens von Neuheiten Herr Matte unverhofft ein Pärchen in einem kleinen Akkumulatorenglase vor das Gesicht hielt. …
Tetragonopterus ulreyi Boulenger – ich möchte für ihn die deutsche Bezeichnung Flaggensalmler vorschlagen – ist im vergangenen Jahre zuerst vom Verein „Roßmäßler” in Hamburg importiert worden …“

Köhler (1907)

Als Flaggensalmler wird in der Aquaristik zwar meistens eine andere Art bezeichnet, aber die bei Köhler (1907) auf Seite 83 in einem Schwarzweiss-Foto abgebildete Art passt ganz gut zu Hyphessobrycon heterorhabdus. Die später verwendeten Bezeichnungen falscher und echter Ulrey (siehe weiter unten) deuten darauf hin, dass unter dem Namen zwei oder mehr Arten in der Aquaristik gehalten wurden (vgl. auch Franke 1971).

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Art dann dauernd im Standardangebot des Aquaristikfachhandels zu finden, obwohl ihre Nachzucht als schwierig galt (Nachstedt und Tusche 1950, Vogt 1959, Jocher 1968). Eine ganze Reihe von Haltungs- und Zuchtberichten in den einschlägigen Aquarienfachzeitschriften zeugen davon.
Eine Gruppe von Hyphessobrycon heterorhabdus

Eine erwachsene Gruppe von Hyphessobrycon heterorhabdus im Artbecken.

Wie auch immer, in den späten 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts waren keine Tiere mehr im Handel zu bekommen, zumindest (oder schon gar) nicht in Ober- und Mittelfranken, wo ich damals wohnte. Auch die deutschen Bezeichnungen für den Fisch waren nicht immer einheitlich, was die Suche nach der Art nicht gerade erleichterte. Von „Flaggensalmler“ über „falscher“ und „echter Ulrey“ (nach dem Erstbeschreiber) bis hin zum mittlerweile gebräuchlichsten Namen „Dreibandsalmler“ war alles an Namen vertreten.

Endlich wieder da …

Die Firma aqua-global in Seefeld importierte im Jahre 2003 Wildfänge von H. heterorhabdus, fälschlicherweise beim Exporteur als H. amapaensis (eine mindestens ebenso attraktive Art) angepriesen. Diese Art (H. amapaensis) wurde von Zarske und Géry (1998) auch als Stellvertreterart von Hyphessobrycon heterorhabdus angesehen.

Ich und auch weitere Aquarianer (Rene und Matthias) in Berlin übernahmen dennoch kleinere Gruppen der hübschen Hyphessobrycon heterorhabdus. Ich hielt die Tiere in einem Gemisch von einem Drittel Leitungswasser und zwei Dritteln Umkehrosmosewasser. Die Temperatur bewegte sich – in meinen ungeheizten Aquarien – zwischen 22°C im Winter und gut 28°C im Sommer. Alte Berichte (Wilhelm 1960) weisen darauf hin, dass die Tiere auch bei 20°C noch aktiv sind. Die Nachzucht gelang damals jedoch keinem von uns und so waren die Tiere nach ein paar Jahren wieder verschwunden. So kann es gehen.

Irgendwie bekam ich aber dann doch noch meine lang ersehnten Nachzuchttiere vor gut zehn Jahren von Kurt, als der zusammen mit ein paar weiteren Aquarianern aus der westlichen Hälfte Deutschlands die Firma aqua-global in Seefeld besuchte. Ursprünglich wollte mir Kurt nur H. amapaensis mitbringen, eine Art, auf die ich seit deren Erstbeschreibung (Zarske und Géry 1998) scharf war, aber auch darauf lange warten musste.
Ein Weibchen von Hyphessobrycon heterorhabdus

Ein Weibchen von Hyphessobrycon heterorhabdus. Weibchen sind fülliger als die Männchen und oft, bei gleichem Alter, auch etwas größer. Zum Laichansatz können die Tiere für zwei bis vier Tage getrennt und dann im Zuchtbecken zusammengesetzt werden. Wenn die Tiere länger getrennt werden, kann es zu Problemen bei der Eiablage kommen, oft entwickeln sich dann auch viele der Eier nicht.

Von beiden Arten bekam ich von Kurt tadellose jüngere Tiere in guter Kondition, die ich ein paar Monate später (im Winter) – die Tiere waren gut ein Jahr alt – zur Zucht ansetzte. Ohne Probleme gelang die Zucht fast auf Anhieb in einem kleinen, nur 30 mal 20 Zentimeter Bodenfläche aufweisendem Zuchtbecken mit Laichrost. Der Laichrost (zum Verhindern, dass die Eier gefressen werden) bestand aus einer gelöcherten und genau eingepassten PVC-Platte, die ca. 20 mm über dem Glasboden stand. Zum Verstecken und als Laichsubstrat gebe ich den Tieren ein wenig Javamoos und/oder Kokosfaser.
Jungfische von Hyphessobrycon heterorhabdus

Eine Gruppe Jungfische von Hyphessobrycon heterorhabdus. Ich zog nicht immer alle Tiere auf. 30 bis 40 Tiere reichen, um die eigene Gruppe zu erhalten und auch ab und zu Tiere abgeben zu können.

Seitdem schwammen die Tiere in meinen Aquarien. Ab und zu interessierte sich jemand für die Tiere, dann gab ich eine kleine Gruppe ab und zog kurz darauf wieder Tiere nach.

Haltung …

Die Fische wurden bei mir bis ca. fünf Zentimeter groß und waren recht gut in einer kleineren Gruppe von 8 bis 15 Tieren zu pflegen. Außer ein paar kleineren Geplänkeln der Männchen untereinander waren sie recht friedlich und ich vergesellschaftete sie recht gerne mit einigen scheueren Zwergbuntbarschen, die sich von den Salmlern gerne aus der Reserve locken ließen.
Größere Jungfische von Hyphessobrycon heterorhabdus

Die Jungfische von Hyphessobrycon heterorhabdus sind nach drei bis vier Monaten bei guter Fütterung und häufigem Wasserwechsel größer und farbiger geworden.

Man konnte sie mit den gebräuchlichen Futtersorten von qualitativ hochwertigen Flocken, Granulat, Tabletten und Frostfutter ernähren. Häufige und reichliche Wasserwechsel sind in den recht dicht besetzten aufzuchtbecken natürlich obligatorisch! Zum Laichansatz bekamen sie aber Lebendfutter, weshalb ich sie auch meistens im Herbst oder Winter, wenn genug Futter zur Verfügung stand, zur Zucht ansetzte.

… und Zucht

Zur Zucht setzte ich die Fische in reinem Umkehrosmosewasser oder in einem Gemisch von drei Teilen Umkehrosmosewasser und einem Teil Berliner Leitungswasser in einer kleinen Gruppe von 2,3 bis 5,5 in einem wie schon oben erwähnten 30er Zuchtbecken an. Der Ansatz von Salmlern in Paaren klappte bei mir nicht immer, aber das ist eine andere Geschichte. Manchmal gebe ich auch noch einen Erlenzapfen und einen Milliliter einer stark verdünnten Jod/Jodkali-Lösung zu (aber das ist noch eine andere Geschichte). Schon am nächsten Tag hatte mindestens ein Weibchen Eier abgelegt. Wenn es mal nicht gleich klappte; nach einem weiteren Tag waren sicher Eier da.
Ein Männchen von Hyphessobrycon heterorhabdus

Ein Männchen von Hyphessobrycon heterorhabdus. Männchen sind kleiner, schlanker und zeigen kleine Haken an der Afterflosse, in der sie oft beim Herausfangen kurz haftenbleiben.

Die Jungfische schlüpften schon recht bald (nach ungefähr 24 Stunden). Ich füttere sie mit Paramecien und Micro an und schon nach spätestens weiteren fünf Tagen nehmen die Jungfische frisch geschlüpfte Artemia. Auch ältere Fische brachten nach mehreren Jahren noch gute Nachzuchtergebnisse und von Laichverhärtung und besonderer Empfindlichkeit der Jungfische kann ich hier nicht berichten.

Gesuchte Fische?

Dass sich H. heterorhabdus doch nach wie vor recht großer Beliebtheit im Hobby erfreut, habe ich vor mehreren Jahren, im Januar 2009, auf einer der Berliner Heim, Tier und Pflanze Messen im Rahmen der Internationalen Grünen Woche erleben können. Die Deutsche Cichliden Gesellschaft (DCG), eine Fachgruppe für Buntbarsche (Cichliden), in der ich seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts Mitglied bin, hatte eine Ausstellung verschiedener Buntbarsche organisiert.
Ausstellung von Buntbarschen der DCG

Eine Ausstellung von Buntbarschen der DCG. Ich hatte einige Apistogramma-Arten mit jeweils einer kleine Gruppe von Hyphessobrycon heterorhabdus vergesellschaftet. Die Salmler waren für viele Aquarianer interessanter als die Buntbarsche.

Ich hatte ca. 60 Salmler in drei Aquarien zusammen mit diversen Apistogramma-Arten ausgestellt und hatte fast den Eindruck, die Salmler waren für viele Besucher deutlich interessanter als die Zwergbuntbarsche. Auf jeden Fall wurden die Fische nach der Messe alle an interessierte Aquarianer abgegeben.

Ungefähr 50 erwachsene Tiere hatte ich 2009 in meinen Aquarien zurückbehalten, um sie weiter nachzuziehen. Einige Tiere hatte ich später aus dieser Gruppe doch noch abgegeben. Nach und nach wurden die Tiere über die Jahre weniger. Das Nachzüchten verschob ich immer wieder, irgendwann klappte es auch nicht mehr mit fünf bis sieben Jahre alten Tieren. Leider ist die Art mittlerweile bei mir nicht mehr vorhanden … ich hätte sie doch mal wieder nachziehen sollen …

Literatur

Arnold, J. P. (1939). Ergebnisse einer Sammelexpedition nach dem mittleren Amazonenstrom. Wochenschrift für Aquarien- und Terrarienkunde 39: 49-51.

Eggeling, H.-H. (1956). Hyphessobrycon heterorhabdus (Ulrey) der Dreibandsalmler. Die Aquarien und Terrarien-Zeitschrift (DATZ) 9 (1): 1-2.

Franke, H.-J. (1971). Salmler- Neuheiten 1964-1968. 7. Aquarien Terrarien (AT) 18 (1): 8 – 9.

Jocher, W. (1968). Problemfische II. Stuttgart: Kosmos-Verlag, Franckh´sche Verlagshandlung; 65 Seiten.

Köhler, W. (1907). Weitere Neuheiten des vergangenen Importjahres. 3. Die Familie der Characinidae (Salmler) - Fortsetzung. Blätter für Aquarien- und Terrarienkunde 18 (9): 81 – 84.

Nachstedt, J. und Tusche, H. (1950). Züchterkniffe I. Stuttgart: Alfred Kernen Verlag; 47 Seiten.

Ulrey, A. B. (1894). Preliminary descriptions of some new South American Characinidae. American Naturalist 28 (331): 610-611.

Vogt, D. (1959). Salmler II. Stuttgart: Alfred Kernen Verlag; 48 Seiten.

Wilhelm, H. (1960). Pflege und Zucht des Dreibandsalmlers Hyphessobrycon heterorhabdus Ulrey. Die Aquarien- und Terrarien-Zeitschrift (DATZ) 13 (6): 162 – 163.

Zarske, A. und Géry, J. (1998). Hyphessobrycon amapaensis spec. nov., eine neue und mutmassliche Stellvertreterart von Hyphessobrycon heterorhabdus (Ulrey, 1894) aus dem Bundesstaat Amapa in Brasilien (Teleostei: Characiformes: Characidae). Zoologische Abhandlungen (Dresden) 50 (1): 19 – 26.

Kleine braune Otos …!

Kleine Braune Otos, oder – abgekürzt – schlicht KBOs, so heißen bzw. hießen die Tiere im BSSW, einer Hobbyvereinigung von Enthusiasten, die sich mit den Tieren intensiv beschäftigten. Man nahm damals an, dass die Art eine unbeschriebene Otocinclus-Art ist.

Erst im Jahre 2011 wurden die Fische als Otothyropsis piribebuy beschrieben (Calegari et al. 2011). Deshalb werden einige Aquarianer weiterhin die Bezeichnung Otocinclus notatus, weniger häufig O. negros, O. sp. „Paraguay“ oder KBO (Kleiner Brauner Oto) verwenden. Unter dem „richtigen“ Namen Otothyropsis piribebuy wurden die Fische ja erst seit der Beschreibung bekannt.


Systematik:
Ordnung: Siluriformes (Welse)
Familie: Loricariidae (Harnischwelse)
Unterfamilie: Hypoptopomatinae
Gattung: Otothyropsis
Art: O. piribebuy

Typusfundort der Art ist der namensgebende Fluss Piribebuy, der im Süden des Landes Paraguays einen Zufluss zum Rio Paraguay bildet. O. piribebuy ist wohl schon seit mehr als 35 Jahren in unseren Aquarien heimisch. Elsholz (1982) gibt den Erstimport der Art in die DDR mit dem Jahr 1981 an. Die Art lebt nun auch schon seit gut 20 Jahren in meinen Aquarien.

Erwerb

Ich hatte ein paarmal die Erfahrung gemacht, dass neu importierte, also kurz vorher beim Großhändler erworbene und erst vor kurzem gefangene hypoptopomatine Harnischwelse, deutlich besser für die Eingewöhnung ins Aquarium geeignet sind als Tiere, die schon für längere Zeit in den Haltungseinrichtungen des Fängers, Exporteurs, Importeurs oder Zoofachhändlers lebten. Dabei kommt es aber im Einzelfall sehr darauf an, ob der Exporteur bzw. der Importeur oder der Fachhändler den Tieren gute Bedingungen bieten konnte, oder ob die Tiere für drei bis vier Wochen Hunger leiden mussten. Es kann also durchaus auch so sein, dass gerade beim Exporteur oder Importeur für längere Zeit eingewöhnte Tiere besonders gut stehen!
Otocinclus beim Exporteur in Südamerika

Ein Aquarium mit Otocinclus sp. bei einem südamerikanischen Exporteur. Die Tiere weisen, vermutlich aufgrund eines bakteriellen Befalls, leichte Flossenschädigungen auf. Diese heilen jedoch in der Regel schnell wieder ab. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Der Zoofachhandel, also der Einzelhandel, wird aus verschiedenen Gründen (siehe weiter unten) in den Verkaufsbecken kaum optimale Haltungsmöglichkeiten für die Tiere bieten können, so dass die meisten Hypoptopomatinae leider auch im Händlerbecken zusammen mit vielen mehr oder weniger starken Futterkonkurrenten Hunger leiden müssen. Es genügt nicht, für 50 Tiere jeden Tag vier oder fünf Futtertabletten ins Becken zu geben, um die Tiere satt zu machen. Deshalb kommt es leider sehr häufig dazu, dass die Tiere eingefallene Bäuche zeigen und im Verlauf von Wochen im Händlerbecken oder später beim Aquarianer langsam verhungern.

Aquarienhaltung

Frisch erworbene Tiere sollte man zunächst – möglichst alleine – in ein gut eingefahrenes Aquarium setzen und sehr sorgfältig und reichlich, also mehrmals am Tag, füttern. Als sehr gutes Futter, welches die Tiere wieder in gute Kondition bringt, bietet sich für die ersten beiden Wochen eine täglich zweimalige Fütterung von frisch geschlüpften Artemia-Nauplien oder einem vergleichbaren guten Frostfutter (Bosmina, Cyclops, Artemia) an. Die Tiere werden, falls sie gesund sind, schon kurz nach dem Einsetzen mit dem Abweiden der Aquarieneinrichtung beginnen, was wohl den Ruf der Tiere als Algenvertilger maßgeblich beeinflusste.

Man sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, dass die Tiere selbst in einem gut bepflanzten Aquarium schon nach ein paar Tagen nicht mehr genug Futter finden können, um ihren Futterbedarf durch das Abweiden der Einrichtung zu stillen. Später kann man bei eingewöhnten Tieren gröberes Frostfutter und Futtertabletten zufüttern, sollte aber immer darauf achten, dass die kleinen Welse nicht zu kurz kommen.
Otothyropsis in gutem Zustand

Ein Weibchen von Otothyropsis piribebuy im Aquarium. Der Ernährungszustand des Tieres ist gut, wie man unschwer erkennen kann. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Meine ersten Tiere hatte ich vor gut 20 Jahren von Stefan Tanner, dem damals in der Schweiz lebenden Redakteur des BSSW-Reports, bekommen. Er brachte eine größere Gruppe von frisch importierten Wildfängen aus der Schweiz mit nach Berlin. Die Eingewöhnung der Wildfangtiere – nach wie vor sind offenbar vor allem Wildfänge aus Paraguay im Handel – gelang gut und schon bald hatte ich die ersten Nachzuchten.

Keine Funktionsfische!

Über die kleinen hypoptopomatinen Welse kursieren nach wie vor sehr unterschiedliche, teilweise auch falsche Informationen zur tiergerechten Haltung und dauerhaften Pflege im Aquarium. Sehr oft werden in älteren Aquarienbüchern ein „Paar“ oder ein „kleiner Schwarm“ (bis fünf Tiere) der Gattung Otocinclus bei einer Ersteinrichtung des Aquariums gekauft, um einem möglichen Algenwachstum im neuen Aquarium vorzubeugen.

cascudinhos, so werden die kleinen Harnischwelse, nach den Knochenplatten und ihrer Hautbezahnung, die einem Harnisch ähnelt, in den südamerikanischen Ländern bezeichnet.

Wenn man sich die Art zulegen möchte, sollte man zunächst kritisch überdenken, ob die Tiere in einem Artaquarium oder einem Gesellschaftsaquarium gepflegt werden sollen. Das ist sehr wichtig, denn die Vergesellschaftung mit Fischarten, die den Tieren zu viel Konkurrenz um Ruheplätze, Futter und Eiablageplätze machen, führt im besten Fall zur ausbleibenden Nachzucht, was für die meisten Aquarianer akzeptabel ist, im schlimmsten Fall aber zum -– vermeidbaren -– Tod der Tiere durch Verhungern!

Bei der Vergesellschaftung der kleinen Welse mit anderen Fischarten sollte man deshalb darauf achten, dass die Mitbewohner nicht zu aufdringlich sind, also die kleinen Welse jagen, anderweitig belästigen oder sogar versuchen, an den Tieren herumzuknabbern, so dass die Tiere es nicht mehr wagen, tagsüber im Aquarium auf Futtersuche zu gehen, was sie sonst sehr gerne tun.
Otothyropsis saugt sich an Scheibe an.

Ein Männchen von Otothyropsis piribebuy hat sich an der Frontscheibe festgesaugt. Hier ist ganz gut die Bedeckung des Körpers mit Knochenplatten und Stacheln zu erkennen, die den Tieren den Namen »cascudinhos« gaben. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Auf keinen Fall sollten die Tiere, und damit meine ich alle kleinen hypoptopomatinen Loricariiden, als Funktionsfische bzw. Algenvertilger gekauft werden, als die sie leider immer noch teilweise angeboten werden (Linberg, 2000), ein Todesurteil für diese Fische (wie leider auch für viele Panzerwelse „Müllmänner“ oder Prachtschmerlen „Schneckenfresser“)! Vor allem in gestylten Aquarien liest man immer noch häufig die Empfehlung, doch auch eine große Zahl kleine hypoptopomatine Harnischwelse zur Algenprophylaxe als Erstbesatz einzubringen.

Bei der Vergesellschaftung von Fischen wurde sehr häufig empfohlen, Fische mit den gleichen Ansprüchen zusammen in ein Aquarium zu setzen. Diese Empfehlung widerspricht jedoch allen bisher bekannten biologischen Konzepten. Zwar ist eine Vergesellschaftung von Tieren mit den gleichen Ansprüchen an die wichtigsten Wasserparameter (Temperatur, elektrische Leitfähigkeit, Wasserhärte, Ionenspektrum, pH) durchaus sinnvoll, wissenschaftliche Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die zwischenartliche Konkurrenzvermeidung und damit die Ressourcenaufteilung (Futter, Reviere, Verstecke, Laichplätze, …) meist eine sehr viel größere Rolle bei der Wahl des Lebensraums spielt. Gerade die Konkurrenz um Futter, Verstecke und Ruheplätze führt im Aquarium dazu, dass kleine hypoptopomatine Harnischwelse auf Dauer im Gesellschaftsaquarium mit konkurrenzstarken Fischen nicht mithalten können und verdrängt werden!

Dass die Tiere mit Algen jedoch nicht artgerecht ernährt werden können, kann man in veralgten Aquarien sehen, in denen die Tiere trotzdem sehr hungrig aussehen. Eingefallene Bäuche zeigen, dass sie bei der Nahrungsaufnahme viel zu kurz gekommen sind. Die Artikelserie von Schramm (1991a; 1991b; 1992a; 1992b), zeigt aber, dass man es auch schon vor mehr als 25 Jahren besser wusste.
Otothyropsis Bauchflossen.

Die Bauchflossen von Otothyropsis piribebuy sind mit sehr vielen Stacheln versehen, die er den Tieren erlauben, sich an senkrechten Einrichtungsgegenständen festzuklemmen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wie oben schon erwähnt, werden oft ein „Paar“ oder ein „kleiner Schwarm“ (vier bis sechs Tiere) bei einer Ersteinrichtung des Aquariums gekauft, um einem möglichen Algenwachstum im neu eingerichteten Aquarium vorzubeugen. Das kann man natürlich machen, man muss aber dann sofort mit fein zerriebenem Trockenfutter, Futtertabletten oder Granulat zufüttern. In einem neu eingerichteten Aquarium finden die Tiere kein Futter und verlieren schnell an Kondition. Der Hinweis, die Fische auch mal eine oder zwei Wochen hungern zu lassen, damit sie besser an die Algen gehen, hat leider schon manchem kleinen Wels das Leben gekostet. Das muss man auf jeden Fall vermeiden!

Gezielte Fütterung!

O. piribebuy mag aber nicht nur Trockenfutter. Um die Tiere in Laichkondition zu bringen, füttere ich reichlich feines Frostfutter, wie Bosmina, Cyclops oder Artemia. Letztere werden von den Tieren auch sehr gerne lebend in Form von frischgeschlüpften Nauplien genommen. In dieser Form stellen sie auch ein sehr gutes Futter für den Laichansatz der Elterntiere und ein ebenso gutes Futter für die Jungfische dar. Otothyropsis piribebuy fressen im Aquarium auch an Melonen, Mango, Zucchini oder Paprika. Es lohnt sich, immer mal was Neues zur Fütterung auszuprobieren.
Mittlerweile setze ich neben den als Basisfutter verwendeten und schnell zerfallenden Futtertabletten eines deutschen Herstellers im gelben Eimer auch selbstgemachtes Futter her auf das mich ein befreundeter Kassler Biologe gebracht hatte. Vielleicht gibt es irgendwann dazu mal einen beschreibenden Text.
Otothyropsis beim Fressen an einer Mangoschale

Einige Otothyropsis piribebuy fressen im Aquarium an einer Melonenschale. Ausser dem im Text genannten Futter lohnt es sich, immer mal auch was Neues zur Fütterung auszuprobieren, wie zum Beispiel Paprika, Zucchini oder Mangoschalen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die Tiere werden, auch wenn sie gut gefüttert und gesund sind, trotzdem dauernd die Aquarieneinrichtung abweiden, jedoch weniger, um Algen, sondern eher, um den Biofilm zu fressen. Eine erfolgreiche Haltung kann man nach spätestens zwei oder drei Wochen daran erkennen, dass besonders die Weibchen deutlich an Leibesfülle zugenommen haben.
Wenn man jetzt nicht in der Pflege nachlässt und alle zwei bis drei Wochen einen ordentlichen Wasserwechsel von mindestens der Hälfte des Beckenvolumens durchführt, wird man sehr lange Zeit große Freude an den interessanten kleinen Fischen haben.

Konditionierung und Laichvorbereitung

Bei der Haltung habe ich im Laufe der Zeit die Erfahrung gemacht, dass ein regelmäßiger Wasserwechsel und eine gute Filterung sehr viel mehr bewirken, als die konsequente Einhaltung „natürlicher“ Wasserparameter wie pH, elektrische Leitfähigkeit, Wasserhärte oder eine besonders hohe Sauerstoffkonzentration (Bilke, 1992). Auch die Temperatur spielt bei meinen Fischen eine eher untergeordnete Rolle. Im Winter geht diese in einigen meiner unbeheizten Aquarien – ich halte vor allem Niedrigenergiefische, die auch bei geringeren Temperaturen gehalten werden können – auch mal auf 18°C zurück und steigt im Sommer im Extremfall auf bis zu 32°C, was Tieren in guter Kondition aber nichts ausmacht.
Paar von Otothyropsis in gutem Zustand vor Ablaichen

Ein Paar von Otothyropsis piribebuy im Aquarium an der Frontscheibe in gutem Ernährungszustand. Die Tiere (Weibchen rechts) sind laichreif und können in wenigen Tagen zum Ablaichen gebracht werden. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Für die Haltung und Zucht reichen aber Temperaturen von 22 bis 25 °C völlig aus. Bei Sauerstoffmangel, starker Fütterung und hohen Temperaturen kann O. piribebuy auch ab und zu an die Wasseroberfläche oder sogar über die Wasseroberfläche kommen, um vom relativ sauerstoffreichen Wasser an der Wasseroberfläche zu profitieren. Ein Verhalten, welches Lüling (1974) auch schon für Otocinclus-Arten in der Natur beobachtete.

Zucht

Die Zucht von kleinen hypoptopomatinen Welsen war früher eine kleine Sensation (Elsholz, 1980), gelingt jedoch in neuerer Zeit immer häufiger, wenn auch manchmal nur in Form einer Zufallszucht (Mueller, 2001). O. piribebuy eignet sich sehr gut für den Einstieg engagierter Aquarianer in die Zucht von kleinen Harnischwelsen. Wie man die Tiere gut füttert, habe ich ja weiter oben schon beschrieben. Wenn man nun den Anteil an gutem Frostfutter und lebenden Artemien erhöht, setzen die Weibchen Laich an, der dann leicht grünlich durch die dicken Leiber scheint. Die Weibchen erreichen bei guter Fütterung dabei eine beachtliche Dicke, wie das Bild im Welsatlas auf Seite XXX zeigt.
Paar von Otothyropsis beim Laichvorbereiten

Ein Paar von Otothyropsis piribebuy hat sich im Aquarium zum Ablaichen gefunden. Das Weibchen (Mitte) wird oft von mehreren Männchen gleichzeitig bedrängt. Hier sind es drei Männchen, die sich zum Weibchen gesellt haben. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wenn man nun zusätzlich, am besten in einem Artbecken, gerne mit acht bis zwölf Tieren, den wöchentlichen Wasserwechsel für drei bis fünf Wochen aussetzt und dann einen sehr starken, gern auch etwas kühleren Wasserwechsel von bis zu 80% des Beckenvolumens durchführt, sollten die Tiere reagieren und mit deutlich erhöhter Aktivität das baldige Ablaichen ankündigen. Wenn es nach zwei bis drei Tagen nicht geklappt hat, kann man mit einem zweiten Wasserwechsel mit etwas weicherem Wasser versuchen, etwas nachzuhelfen.
Gruppe von Otothyropsis beim Laichen

Ein größere Gruppe von Männchen der Art Otothyropsis piribebuy hat sich an der Frontscheibe um ein einzelnes Weibchen versammelt. Links vom Weibchen ist ein Ei zu erkennen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Als Filter in einem Zuchtaquarium hat sich bei mir ein leistungsfähiger luftbetriebener Mattenfilter als geeignet erwiesen. Mehrere kleine dünne Holzstücke oder Moorkienwurzeln und auch einige dichte Büsche von Anubias oder schmalblättrigem Microsorum werden locker auf das Becken verteilt aber besonders auch dort angebracht, wo sich die Strömung des Filterauslaufs mit einer der Front- oder Seitenscheiben bricht. Auf einen Bodengrund verzichte ich im Zuchtbecken mittlerweile völlig oder bringe allenfalls eine dünne feine Sandschicht ein. Wenn man die Wurzeln und Pflanzen als Laichsubstrat im Bereich der Frontscheibe unterbringt, hat man vielleicht sogar das Glück, das Ablaichen, die Eientwicklung oder den Schlupf der Jungfische direkt beobachten zu können.
Gruppe von Otothyropsis beim Laichen

Auch beim direkten Ablaichen sind mehrere Männchen beteiligt, wobei – wie hier zu sehen – nur eines in der typischen T-Stellung vor dem Weibchen liegen kann. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Laichen

Die Tiere laichen bei mir vor allem in den Morgenstunden und abends. Wenn die Tiere laichen, sind oft mehrere Weibchen und fast alle geschlechtsreifen Männchen daran beteiligt. Dann geht es im Zuchtaquarium sehr hektisch zu und oft wollen sich mehrere Männchen gleichzeitig mit einem Weibchen paaren, was zu sehr wilden Verfolgungsjagden im Aquarium führt. Aber nur ein Männchen kommt zum Zug. Die Fische zeigen, ähnlich wie Panzerwelse, eine sogenannte T-Stellung, bei der sich das Männchen beim eigentlichen Laichvorgang gekrümmt um den Kopf des Weibchens legt. Das passiert jedoch alles sehr schnell.
Laichendes Paar von Otothyropsis

Ein Paar von Otothyropsis piribebuy laicht an Anubias-Blättern. Rund um die Tiere sind viele abgelegte Eier von vorherigen Ablagen zu erkennen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Nachdem die 2 bis 10 Eier pro Laichgang abgelegt wurden, trennt sich das Paar wieder und die wilde Verfolgungsjagd geht weiter. Die Anzahl der am Ende abgegebenen Eier liegt bei einem Weibchen zwischen 40 und 150, je nach dessen Alter, Größe und Laichansatz.
Eier auf Farnblatt

Einige Eier wurden auf dem Farnblatt abgelegt. Die Eier sind sehr transparent - man muss oft sehr genau hinsehen - und entwickeln sich sehr schnell. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die Eier sind transparent, leicht grünlich gefärbt und deshalb vor allem auf Pflanzen nicht gut sichtbar, vor allem, weil sie zusätzlich bevorzugt versteckt abgelegt werden. Meist werden die Eier in kleinen Gruppen abgelegt.
Frisch abgelegte Eier

Frisch an der Frontscheibe abgelegte Eier. Man kann sogar vage die Struktur des Chorions und die Micropylenregion erkennen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Ab und zu findet man auch einzelne Eier an Stellen nahe der Frontscheibe oder direkt an der Frontscheibe, an denen man die Entwicklung direkt beobachten kann – was besonders spannend ist.
Jungfisch kurz vor dem Schlupf

In diesem Ei steht der Jungfisch kurz vor dem Schlupf. Die Melanophoren sind zum Teil entwickelt, die Augen scheinen schon funktionsfähig zu sein. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Sie entwickeln sich recht rasch und einige Jungfische schlüpfen schon nach zwei oder drei Tagen. Man könnte jetzt auch die Elterntiere herausfangen und die fast transparenten Jungtiere getrennt von den Eltern aufziehen. Ich habe mir diese Mühe bisher nicht gemacht zudem das ja auch mit recht viel Arbeit und Stress – besonders für die Tiere – verbunden ist.
Jungfische auf Farnblatt

Schon knapp zwei Tage später sind die transparenten Jungfische geschlüpft und sitzen noch gut getarnt auf dem Substrat. Hier fünf Tiere, oft nur an den Augen zu erkennen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Jungfischaufzucht

Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass man die Elterntiere ganz gut zusammen mit den Jungfischen im Aquarium halten kann. Wenn man die Elterntiere gut füttert, was man, sobald man die ersten frisch geschlüpften Jungfische im Aquarium sieht, sowieso machen muss, werden diese möglicherweise nach frühestens fünf bis sechs Tagen ein weiteres Mal ablaichen. Nach meiner Erfahrung vergreifen sich die Elterntiere so gut wie nie an ihrer Nachzucht, was leider nicht bei allen kleinen Harnischwelsen so ist. Als erstes Futter gebe ich etwas Algenpulver, etwas Staubfutter in Form sehr fein zerriebener Futtertabletten und natürlich jede Menge frisch geschlüpfter Artemia-Nauplien. Die Elterntiere selbst sind schon nach vier bis sieben Tagen wieder laichbereit und laichen auch dann wieder ab. So kann man bis zu fünf Laichserien gemeinsam in einem Aquarium aufziehen. Länger funktioniert es nicht gut, da die heranwachsenden Jungfische bei entsprechender Größe die frisch abgelegten Eier – also ihre eigenen Geschwister – fressen.
Jungfisch Detail

Hier eine Makroaufnahme eines Jungfisches. Von der beginnenden Ausfärbung kann man einzelne Melanophoren (Farbstoffträger) erkennen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die Jungtiere wachsen bei guter und regelmäßiger Fütterung rasend schnell. Wenn man in einem Aquarium von ungefähr 40 Zentimetern Länge (25 Liter Volumen) zwischen 100 und 150 Jungfische aus mehreren Laichserien gemeinsam aufzieht, ist ein regelmäßiger Wasserwechsel zunächst alle drei bis vier Tage dringend notwendig. Wenn die Jungfische nach zwei bis drei Wochen etwas größer geworden sind, bedeutet das, dass spätestens jeden zweiten Tag zwischen 60 und 80% des Beckenvolumens gewechselt werden müssen, weil es sonst, bei häufiger Futtergabe, rapide zu einer Verschlechterung der Wasserverhältnisse und zum Sterben der Jungfische kommen kann.
Jungfisch Detail an der Scheibe

Die Makroaufnahme eines Jungfisches an der Frontscheibe lässt den zweigeteilten Dottersack gut erkennen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Nach sechs bis acht Wochen können die Jungfische schon knapp zwei Drittel so lang wie ihre Eltern sein und ab diesem Zeitpunkt wird das Wachstum deutlich langsamer. Teilweise hatte ich Fische in dieser Größe schon abgegeben, beschränke mich aber mittlerweile darauf, die Fische in andere Aquarien umzusetzen. Die schlechten Erfahrungen und die teilweise großen Verluste haben mich aber davon absehen lassen, die Tiere zu früh an andere Aquarianer abzugeben. Frühestens im Alter von einem halben Jahr, eher später, gebe ich Gruppen von Fischen ab. Von jeder Zucht behalte ich immer einige Tiere zurück, die dann nach ungefähr einem knappen Jahr geschlechtsreif sind. So konnte ich O. piribebuy bisher über 20 Jahre erfolgreich halten und regelmäßig vermehren.
Jungfisch nach zwei Wochen

Ein Jungfisch nach ca. zwei Wochen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Nach meiner Erfahrung werden die meisten kleinen hypoptopomatinen Welse nicht sehr alt, weder in der Natur (dort schon gar nicht!), noch im Aquarium. Bei optimaler Pflege im Artbecken sterben die Tiere nach 2 bis 3, spätestens aber nach 4 oder 5 Jahren. Die Arten sind nach derzeitigem Wissen typische Vertreter der R-Strategie, wachsen also schnell, vermehren sich auch sehr schnell und reichlich, werden aber nicht alt.

Die Erfahrung mit Otothyropsis piribebuy hat mir geholfen, auch andere kleine hypoptopomatine Welse erfolgreich zu halten und zum größten Teil auch nachzuzüchten. Die kleinen hypoptopomatinen Welse verdienen etwas mehr unserer Aufmerksamkeit und wir sollten ihnen durch optimale Haltungsbedingungen eine Chance geben, sie in unseren Aquarium tiergerecht zu halten. Das ist gar nicht so schwer, wie man zu Anfang vielleicht denkt. Nur braucht man ein bischen Erfahrung und vor allem Disziplin!
Otocinclus hoppei

So sollten gut genährte hypoptopomatine Welse, hier vermutlich Otocinclus hoppei, nach meiner Meinung aussehen. Mit ein bisschen Sorgfalt bei der Pflege lässt sich dieses Ziel auch relativ leicht erreichen. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Literatur

Bilke, E. (1992). ‘Eichhörnchen’ im Aquarium: Otocinclus notatus. Datz 45 (10), 625-627.

Calegari, B. B., Lehmann, A. P. und Reis, R. E. (2011). A new species of Otothyropsis (Siluriformes: Loricariidae) from the rio Paraguay basin, Paraguay. Neotropical Ichthyology 9 (2), 253-260.

Elsholz, K. D. (1980). Erstnachzucht von Otocinclus vittatus. Aquarien Terrarien 27 (7), 230.

Elsholz, K. D. (1982). Otocinclus notatus. Aquarien Terrarien 29 (6), 204-204.

Linberg, T. (2000). Otocinclus - fleissige Saubermänner im Aquarium. Aquarien-Praxis 10, 8-10.

Lüling, K. H. (1974). Ohrgitterwelse der Gattung Otocinclus kommen über den Wasserspiegel. Aquarien Terrarien 21 (9), 302-304.

Mueller, J. (2001). Natürliche Zufallszucht von “Otocinclus” sp. “Negros”. BSSW Report 1, 27-30.

Schramm, U. (1991a). Welse mit ‘Trommelfell’: Otocinclus & Co. Teil 1: Einführung - Ernährung. Das Aquarium, 14-16.

Schramm, U. (1991b). Welse mit ‘Trommelfell’: Otocinclus & Co. Teil 2: Wasserpflege, Technik und Beckeneinrichtung. Das Aquarium, 5-6.

Schramm, U. (1992a). Welse mit ‘Trommelfell’: Otocinclus & Co. Schluss: Historie, etwas Systematik und Artnamen in der aquaristischen Literatur. Das Aquarium, 10-12.

Schramm, U. (1992b). Welse mit ‘Trommelfell’: Otocinclus & Co. Teil 3: Zucht und Aufzucht. Das Aquarium, 7-9.

Eine neue Gattung für drei ehemalige Pelvicachromis-Arten

Anton Lamboj hat zusammen mit zwei weiteren Autoren für die ehemalige Pelvicachromis humilis-Gruppe, zu der die Arten Wallaceochromis signatus, W. humilis und W. rubrolabiatus gehören, eine neue Gattung aufgestellt. Diese Abgrenzung wurde mit Unterschieden im Kopfskelett, welches mit computertomographischen Methoden untersucht wurde, begründet.

Neben den morphologischen Unterschieden in der Ausbildung der Infraorbitalknochen – Knochen, die den Ring um die Augen bilden – in der sich die Gruppe deutlich von anderen durch die Anzahl und Form unterschiedet, weisen die Autoren auch auf die Unterschiede in der Färbung bzw. der Farbmuster hin.
W. humilis, ein Paar im Brutversteck. Bild Dr. Stefan K. Hetz

W. humilis, ein Paar lugt aus dem Brutversteck. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Wie im folgenden Bild zu erahnen ist, zeigen die Tiere dieser Gruppe in verschiedenen Verhaltenssituationen (was eine Unterscheidung am lebenden Tier möglich macht) sieben oder acht dunkle vertikale Streifen. In einer älteren Arbeit der Autoren wurde auf der Basis molekularer Merkmale ebenfalls schon auf die Monophylie dieser Gruppe hingewiesen, weshalb die Einordnung in eine neue Gattung nach Meinung der Autoren gut begründet ist.
W. humilis, das Paar vor dem Brutversteck. Bild Dr. Stefan K. Hetz

W. humilis, das Paar in voller Pracht. Vorne das männliche Tier. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Die Gattung Wallaceochromis kommt im westlichen Afrika, in den Ländern Guinea, Sierra Leone, sowie den westlichen Teilen von Liberia vor. In den frühen und späten 80er Jahren waren die Arten der neuen Gattung, damals weitgehend noch unter Farbformen von Pelvicachromis humilis bekannt, gesuchte Aquarienfische.


Systematik:
Ordnung: Perciformes (Barschartige)
Familie: Cichlidae (Buntbarsche)
Unterfamilie: Pseudocrenilabrinae
Gattung: Wallaceochromis

Die Tiere werden – zumindest für Zwergcichliden – recht groß, auch das ein Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Vertretern der Pelvicachromis-Gruppe). sie sind also am besten in nicht in zu kleinen Aquarien zu halten. Mindestens 80 bis 100cm sollten es schon für ein Paar sein, gerne aber auch 130 oder 160cm.
W. humilis, Weibchen. Bild Dr. Stefan K. Hetz

Ein Weibchen von W. humilis. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Ich hatte bisher zweimal das Glück, Tiere aus dieser Gruppe pflegen zu können. Eine sehr eindrucksvoll kräftig rot gefärbte Form des damaligen P. humilis aus Liberia erwies sich zunächst als recht scheu und unverträglich. Erst mit längerer Haltung in einem Artaquarium mit Regenwasser bei kühlen 22 bis 25°C ging es besser. Große Nachzuchterfolge konnte ich allerdings nicht nachweisen.
W. humilis, das Paar vor dem Brutversteck. Bild Dr. Stefan K. Hetz

Und hier das männliche Tier in attraktiver Färbung. (Bildquelle: Stefan K. Hetz, native-fish.org)

Literatur

Lamboj, A., Trummer, F. und Metscher, B. D. (2016). Wallaceochromis gen. nov, a new chromidotilapiine cichlid genus (Pisces: Perciformes) from West Africa. Zootaxa 4144 (1): 124–130

Linke, H. und Staeck, W. (1995). Buntbarsche aus Westafrika. 5. Auflage, Tetra-Verlag, Melle. 200 Seiten.

Schwarzer, J., Lamboj, A., Langen, K., Misof, B. & Schliewen, U.K. (2015) Phylogeny and age of chromidotilaiine cichlids (Teleostei: Cichlidae). Hydrobiologia 748, (1): 185-199.